59
dem Mädchen Heiken können, daß Ihr so viel Wesens davonmacht"
»Laßt es gut sein," sagte die Gefangene; »nichts mehrdavon. — Lebe wohl, Schwester, Du hältst Herrn Ratcliffezu lange auf. — Du wirst doch wieder Herkommen, und michnoch einmal sehen, ehe" — ihre Stimme stockte, und Todten-blässe bedeckte ihr Geficht-
„Und so sollen wir in einem solchen Augenblick scheiden?"sagte Jeanie. »O Effie, sie- mich nur an, und sage, wasDu von mir verlangst; und ach, mir ist als müßte ich inAlles willigen."
„Nein, Jeanie," sagte das Mädchen, sich bezwingend; „ichbin jetzt zu besserer Einsicht gekommen. Auch in meinen be-sten Tagen war ich nie halb so gut wie Du, und warumsolltest Du, nun da ich gar nichts mehr werth bin, schlechterwerden um meinetwillen? Gott weiß es, wenn ich bei mirselbst bin, wünsche ich gewiß nicht, daß irgend Jemand etwasUnrechtes thue, mich zu retten- Konnte ich nicht in jenerwilden Nacht aus dem Gefängniß entfliehen, mit Einem, dermit mir durch die Welt gegangen wäre, und mich beschützthätte und vertheidigt? Allein ich sprach: Besser das Lebe»verloren, da der gute Name dahin ist! Aber diese lange Ge-fangenschaft hat mich kleinmüthig gemacht, und ich bin zuwei-len so in Verzweiflung, daß ich wer weiß was um mein Le-ben thäte. Ach Jeanie, dann ist mir's wie einst in der Fie-berhitze, aber statt der feurigen Augen, und der Wölfe, diemir damals um das Bett tanzten, sehe ich mich nun auf ei-nem hohen schwarzen Gerüst stehen und ein Meer von Gesich-tern um mich her, die alle nach der Effie Deans Hinaufstar-ren und fragen, ob es dieselbe sei, welche Georg Robertsonseine Lilie von St. Leonard's nannte? — Und dann fletschen