Druckschrift 
7 (1851) Guy Mannering
Entstehung
Seite
125
Einzelbild herunterladen
 

125 ,

»Ist Ihnen nichts auS Ihrem frühern Leben erinnerlich,eh' Sie Schottland verließen?"

Sehr wenig; doch ein starkes Gefühl ist mir geblieben, viel-leicht der spätern harten Behandlung wegen um so tiefer einge-prägt, daß ich während meiner Kindheit der Gegenstand großerSorgfalt und Zärtlichkeit war. Ich habe eine unbestimmteErinnerung von einem gutmüthig aussehenden Manne, den ichPapa zu nennen pflegte, und von einer Dame, die oft kränk-lich war, und, wie ich glaube, meine Mutter gewesen sein muß;aber diese Erinnerungen sind unvollkommen und wirr. Auch cnt-sinneich mich eines großen, hager», sanftmüthigen Mannes,welcherschwarz gekleidet war, mich die Buchstaben lehrte und mit mir spa-zieren ging; und gerade in der letzten Zeit, glaub' ich"-

Hier konnte sich der Dominie nicht länger halten. Währendjedes jener Worte immer deutlicher bewies, daß seines Wohlthci-tcrs Kind vor ihm stand, hatte er mit äußerster Mühe seine Bewe-gung zu unterdrücken gesucht; als sich aber dicJugendcrinnerun-gen Bertram's auf seinen Lehrer und dessen Lehren bezogen, dawar er gezwungen, seinen Empfindungen Raum zu geben. Hastigerhob er sich von seinem Stuhle, und mit gefalteten Händen, be-benden Knicen und überströmenden Augen rief er laut: HarryBertram! Sieh mich an war ich nicht der Mann?"

Ja!" sagte Bertram, von seinem Sitz cmporfahrcnd, alswär' plötzlich hell in seiner Seele geworden,Jadas war mein Name! und das ist die Stimme und dieGestalt meines sanften alten Lehrers!"

Stürmisch umarmte ihn der Dominie, drückte ihn in krampf-haftem Entzücken tausendmal an seinen Busen, und dabei zittertesein ganzer Körper, sein Athem war kurz, bis er endlich, nach derausdrucksvollen Redeweise der Schrift, seine Stimme erhob undlaut weinte. Oberst Mannering hatte sein Taschentuch zu Hilfe