neswegs wie der Deklamator, welcher ein Mittelding zwischenLesen und Handlung gibt, mit den Augen starrt, die Stirn run-zelt, das Gesicht verzieht und sich geberdet, als stand' er in vollemKostüm auf der Bühne. Meines Vaters Manier ist ganz anders;er liest wie ein anständiger Mann, welcher durch Gefühl, Geschmackund Biegsamkeit der Stimme eine Wirkung hervorbringt, nichtaber durch Bewegungen und Mummerei. Lucy Bertram reitetsehr gut, und ich kann sie jetzt zu Pferde begleiten, da mich ihrBeispiel ermuthigt hat. Trotz des rauhen Wetters gehen wirauch viel spazieren. — So bleibt mir denn freilich zum Schrei-ben nicht so viel Zeit, als ich sonst darauf verwandte-
„Ueberdies, meine Liebe, muß ich mich wirklich des Entschul-digungsgrundes aller thörichten Correspondentcn bedienen: daßich nichts zu sagen habe. Meine Hoffnungen, Befürchtungen undBesorgnisse hinsichtlich Browns sind jetzt minder anziehend, seit ichweiß, daß er frei und gesund ist. Uebrigens muß ich gestehen, daßmir der junge Herr während dieser Zeit wohl eine Nachricht von sei-nem Thun und Treiben hätte geben können. Unser Umgang magwohl unbesonnen sein, aber es wäre eben nicht schmeichelhaft fürmich, wenn Mr. Banbeest Brown zuerst diese Entdeckung machenund deßhalb unser Verhältniß aufgeben sollte. Er kann gewiß sein,daß wir in diesem Falle nicht sehr verschiedener Meinung seinwürden, denn zuweilen kam es mir schon vor, als habe ich in dieserAngelegenheit äußerst thöricht gehandelt. Jndeß habe ich eine sogute Meinung von dem armen Brown, daß ich glaube, seinemSchweigen liege gewiß nur etwas Außerordentliches zum Grunde.
„Um wieder auf Lucy Bertram zu kommen — Nein, meinetheuerste Matilde, sie kann nie, nie deine Nebenbuhlerin bei mirwerden, und all deine liebende Eifersucht in dieser Hinsicht ist alsoohne Grund. Sie ist allerdings ein recht artiges, hübsches, gefühl-volles und liebreiches Mädchen, und ich glaube, es wird wenigGuy Mannering. II. dl