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unsers Herzens oft sein mögen. — Doch zu meiner Erzählung— sie sei, Freundin, ebenso das heiligste Pfand unsrer Freund-schaft, wie cs das aufrichtigste ist.
„Wir gehen hier zeitig schlafen, zeitiger, als mein Herz mitseiner Sorgenlast sich der Ruhe hingcben kann. Ich nehme da-her gewöhnlich noch einige Stunden lang zu einem Buche meineZuflucht, nachdem ich mich auf mein Zimmer zurückgezogenhabe, welches sich, wie ich dir wohl schon sagte, nach einemkleinen Balkon öffnet, dessen Aussicht auf den schönen See geht;auch von diesem versuchte ich dir ja schon eine einfache Skizzezu geben. Mervyn-Hall, zum Theil ein sehr altes Gebäudeund ursprünglich als fester Ort erbaut, liegt am Rande desSees. Ein Stein, den man vom vorspringenden Balkon hin-absallen läßt, fällt in das Wasser, welches tief genug ist, umein Boot zu tragen. Ich hatte mein Fenster halb offen gelas-sen, um, eh' ich zu Bett ging, meiner Gewohnheit nach, nochden Mondenschimmer auf dem See zu betrachten. Lebhaft ge-dachte ich jener schönen Scene im Kaufmann von Venedig, wozwei Liebende, die Stille einer Sommernacht schildernd, wechsel-seitig die Reize derselben erheben, und so war ich verloren inGedanken und Empfindungen, die jene Schilderung erweckte,als ich vom See her den Klang eines Flageolets vernahm. Ichsagte dir bereits, daß dies Brown's Lieblingsinstrument war.Wer konnte es in einer Nacht spielen, die, obwohl still undheiter, doch zu kalt und zu spät im Jahre war, um einen Wand-rer nur zum Vergnügen hieher einzuladen? Ich ging näher zumFenster und lauschte mit athemloser Aufmerksamkeit. Die Töneschwiegen jetzt — begannen dann wieder — schwiegen auf's Neueund erreichten aufs Neue mein Ohr, immer näher und näherkommend. Endlich unterschied ich deutlich die Melodie jenesHinduliedchens, das du mein Lieblingsstückchen nanntest — Ich