18 l
fülliger Dinge wegen getrennt werden mußten — ein gramma-tischer Fehler in meiner italienischen Arbeit und drei falsche No-ten in einer von Paesiello's Sonaten. Aber es ist das einCharakterzug meines Vaters; ich weiß unmöglichzu sagen, obich ihn mehr liebe, bewundere, oder fürchte. Sein Glück imLeben und im Kriege — seine Gewohnheit, jedes Hinderniß,selbst wo es unübersteiglich schien, durch die Energie seiner An-strengungen zu bewältigen — alles dies hat seinem Charakteretwas Hastiges und Gebieterisches gegeben, welches weder Wi-derspruch duldet, noch Nachsicht mit den Schwächen Anderergestattet. Denn er selber ist äußerst talentvoll. Du mußt wis-sen, daß ein Gerücht eristirte, welches durch geheimnißvolleWorte, die meine arme Mutter fallen ließ, zum Theil bestätigtwurde, — daß er nämlich noch andre Wissenschaften besitze, welchejetzt der Welt verloren wären und die den Besitzer fähig mach-ten, die dunkeln und schattigen Formen künftiger Ereignisse her-aufzubeschwören. Muß nicht die bloße Idee einer solchenMacht, ja schon das hohe Talent und die überlegene.Einsicht,welche die Welt fälschlich mit jener Macht verwechselt — mußdies, tbeure Matilde, nicht dem Besitzer schon eine gcheimniß-volle Hoheit leihen? Du wirst dies romantische Ueberspannt-heit nennen; aber bedenke, daß ich in dem Lande der Talis-mane und Zauberformeln geboren bin, und daß ich als Kinddurch Märchen eingelullt wurde, deren ihr euch nur mittelstder schwülstigen Spielerei einer französischen Uebersetzung er-freuen könnt. O Matilde, ich wollte, du hättest die dunkelnGesichter meiner indischen Wärterinnen sehen können, wie siesich in ernster Andacht bei den magischen Erzählungen grup-pirten, welche, halb Poesie, halb Prosa, von den Lippen desErzählers flössen! Kein Wunder, daß europäische Erzählungenmir kalt und trocken erscheinen, nachdem ich die wunderbaren