Krankheiten die Form religiöser Verzweiflung annehmen. Nochimmer war der Jüngling sanft, gefällig, liebreich und seinesVaters Willen gehorsam; mit aller Macht leistete er den Kü-stern Eingebungen Widerstand, welche, wie es schien, ihm durcheine Emanation des bösen Princips eingeflüstert wurden,ihn, gleich Hiobs gottlosem Weibe, ermahnend, Gott zu seg-nen und zu sterben.
Die Zeit kam endlich heran, wo er die Reise (die damals nochfür lang und gefährlich galt) zum Hause seines frühzeitigen Freun-des antreten sollte, der seine Nativität berechnet hatte. Sein Wegführte ihn durch mehrere intercffanteOrte, und er ward durch Un-terhaltung des Reifens mehr erfreut, als er es selbst für möglichgehalten hatte- Er erreichte daher den Ort seiner Bestimmungnicht eher, als um die Mittagszeit des Tages, der seinem Geburts-tage vorherging. Es schien, als sei er in einer ungewohnten freu-digen Aufregung hinweggegangen, als wolle er gewissermaßendasjenige vergessen, was ihm sein Vater in Bezug auf denZweck feiner Reise mitgetheilt hatte. Endlich machte er voreinem ansehnlichen, aber einsamen alten Hause Halt, welchesihm als der Wohnsitz des Freundes seines Vaters bezeichnet war.
Die Bedienten, welche sein Pferd in Empfang nahmen, er-zählten ihm, daß er bereits seit zwei Tagen erwartet worden sei.Er ward in ein Studirzimmer geführt, wo ihn der Fremde, jetztein ehrwürdiger alter Mann, der seines Vaters Gastgewesen war,mit einem Schatten von Mißfallen und Ernst im Gesicht, empfing.— „Junger Mann," sagteer, „warum so langsam auf einer sowichtigen Reise?" — „Ich glaubte," erwiderte der Gast errö-thend, „es sei nichts Arges, wenn ich langsam reiste und meineWißbegier befriedigte, da ich eure Wohnung ja doch bis zu diesemTage erreichenkonnte; denn so lautete meines VatersAuftrag."—„Es wäre zu tadeln," entgegnete der weise Mann, „daß du ge-