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Protestantismus und Katholicismus aus dem Standpuncte der Politik betrachtet : Nebst einem Sendschreiben des Verfassers an Herrn Abt Maximilian Prechtl
Entstehung
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bedarf die protestantische Kirche auch ungestörter Frey->heit in der Entwickelung ihrer Lehre und Verfassung,und auch diese ist sie von den Regierungen zu fordernberechtigt, weil, wer einer kirchlichen Gesellschaft ge-setzliche Existenz gewährt, ihr damit auch die Aus-übung der in dem Wesen einer solchen Gesellschaft ge-gründeten Befugnisse zugesteht. Der Protestantismuserkennt keine andere Regel für absolut nothwendig undewig bindend an als das Evangelium; weder die gottes-dienstlichen Anstalten noch die kirchlichen Verfassungs-formen gelten ihm, wie dem Katholiciemus, als durchgöttliche Auctorirat geheiligte Einrichtungen, welche eineZeit der andern unverändert überliefern müsse. Die pro-testantische Kirche ist eine feeye Kirche; ihr Princip istdas Princip fortschreitender Entwickelung, und wer ihreheutige Wissenschaft und die gegenwärtige Ansicht ihrerMitglieder mit der Wissenschaft und Denkart des sechs-zehntcn und des siebzehnten Iahrhundertes vergleichet,muß erkennen, daß sie nicht unbeweglich auf einemPuncte gestanden habe. Indem nun auf der einen Seiteihre Wissenschaft und mit dieser die allgemeine Denkartsich veränderte, auf der andern aber die im sechszehn-ten Jahrhunderte eingesühreten Symbole und Verfas-sungen meist unverändert blieben, ist allerdings manchesaus dem rechten Verhältnisse zu dem Bedürfnisse derZeit getreten. Drey lange, vielbewegte Jahrhunderteliegen zwischen dem Reformationszeitaltcr und dem ge-genwärtigen Geschlechts; die zur Zeit der Entstehungunserer Kirche eingesühreten Symbole müßten göttlicheBücher, und die damals gegründeten Verfassungenmüßten göttliche Institute seyn, wenn sie, wie damals,in allen ihren Bestimmungen dem Bedürfnisse dieser