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1 (1859) Einleitung; Die Familie Schroffenstein; Penthesilea; Amphitryon
Entstehung
Seite
CXVIII
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VXVIII

Einleitung.

Werk nur recht frei aus dem Schooß des menschlichen Gcmüths her-vorgeht, dasselbe auch nothwendig darum der ganzen Menschheit an-gehören müsse."

Noch tauchte also immer von Zeit zu Zeit neue Hoffnung auf;einer von jenen Zufällen, denen Kleist stets soviel Macht über seineSeele gab, beschleunigte den Ausgang. Durch A. Müller warKleist mit Frau Henriette Vogel bekannt geworden, die geistighoch begabt, an derselben Hypochondrie litt. Unheilbare körperlicheKrankheitsznstände kündigten sich bei ihr an, da ihr zerrissener Gc-müthszustand sich schon längst mit dem Leben abgesunden hatte. WieKleist, über die Ansprüche des Lebens getäuscht, betrachtete sie schonseit langer Zeit den Todesgcdanken als eine Würze des geschmack-losen Lebens. Bon Leidenschaft war in ihrem Verhältniß zu einanderkeine Rede; manche vertraute Briefe Kleift's ans früherer Zeit sol-len sogar den Beweis führen, daß er eher das Gegentheil als Zärt-lichkeit für Henrietten gefühlt habe. Was sie zu einander führte undKleist bald zu ihrem Hausfreunde machte, war die Sympathie inihren trüben Stimmungen und ihre gemeinschaftliche Liebe zur Musik.Sie mustcirten und sangen zusammen, vorzüglich alte Psalmen, undfreuten sich gegenseitig an ihrem Talent. Als es Kleist eines Tagesschien, seine Freundin habe ganz besonders schön gesungen, sagte erzu ihr mit einem ihm wohl aus seiner Jugend überbliebenen Ans-drucke uniformirter Begeisterung: das ist zum Erschießen schön! Sicsah ihn bedeutend an und erwiederte kein Wort; in einer einsamenStunde kam sie aber auf diese ihm entschlüpfte Aeußerung zurück.Sie fragte ihn: ob er sich noch des ernsten Wortes erinnere, welchessie ihm früher einmal abgenommen, ihr, wenn sie ihn darum bitte,jeden, selbst den größten Freundschaftsdienst zu leisten? Seine ritter-liche Antwort war: er sei dazu zu jeder Zeit bereit.Wohlan! sotödten Sie mich! Meine Leiden haben mich dahin geführt, daß ichdas Leben nicht mehr zu ertragen vermag.' Es ist freilich nicht wahr-