QXII
Fintcitting.
auch dem Drama die reale Bewegung. Um mm diesen Mangel zuersetzen, werden mannigfache Motive eingcschobcn; der Kurfürst wirdselbst einer ganz unwürdigen, in den schönen Kreis dieses Familien-lebens garnicht stimmenden Absicht verdächtigt. Zuletzt wird ihmgar nachgewicscn, er sei an dem Vergehen des Helden selbst schnld,und dadurch tritt der tragische Couflict ganz in das Gebiet des Lust-spiels über. Hören wir, wie Ticck dies Motiv vertheidigt.
„Die Vorliebe für gewisse Darstellungen, die außerhalb der Na-tur liegen, ist die Schwäche, durch welche Kleist mit seinen jungenZeitgenossen znsammcuhängt. Er hat diese Stimmung auch in denHomburg ausgenommen, sie aber so künstlich und weise benutzt, daßdasselbe Schauspiel, welches ganz im strengen historischen Stil ge-zeichnet ist, durch seinen Anfang und das Ende zugleich den Charaktereines wundersamen Mährchens gewonnen hat. Der Prinz erscheintzuerst als Nachtwandler, sein verehrter Fürst und seine Geliebte wer-den ihm zu Traumgestalten. Ueberschüttet und verwirrt von Ge-fühlen, indem sich ihm Wahrheit und Phantasie unbegreiflich ver-mischen, ist er nicht im Stande, den entworfenen Schlachtplan znfassen, und voll von seinem Glück will er am andern Morgen dasKühnste wagen. Die Schlacht beginnt, der Prinz wird von einemheroischen Wahnsinn ergriffen, überschreitet den Befehl, den er nichtgehört hat, und stürzt zum Siege fort. — Nach demselben ist erimmer noch im Traum und Nachtwandeln, und in diesem Wahnerscheint er sich als ein Heros des AltcrthumS. . . . Als man ihmArrest ankündigt, befällt es ihn kalt und widerwärtig, gleich einemnüchternen Spaß. Diese Stimmung beherrscht ihn auch im Ge-sängniß, bis es seinem Freunde endlich gelingt, ihn von der Mög-lichkeit seines Todes sdurch jene Verdächtigung des Kurfürsten!j zuüberzeugen. Nun folgt die Scene, die, wenn man nicht ganz mitdein Dichter einverstanden ist, bei vielen wegen ihrer Kühnheit Er-staunen, wo nicht Unwillen erregen wird. Kleist, der es immer