Einleitung.
0VII
wie in der Herrmannsschlacht in der Sprache dss Tacitus, aber durchdie menschliche Wahrheit und Geiniithstiefe seines Tons weiß er unsin die angemessene Stimmung zu versetzen, und lebhaft und glän-zend, fast wie ein Bildwerk, zeichnen sich die Typen der Zeit in derHarmonie des echt dramatischen Verses und in der durchsichtigenSprache ab. — Mit Recht macht Solger auf die Heiterkeit desStücks aufmerksam: „sie rührt besonders daher, daß alles in seinemwirklichen, gegenwärtigen Leben anfgsfaßt, nichts idealisirt und mitleeren Redensarten ausstolzirt ist. Daher das liebe heimathliche Ge-fühl, das uns hindurch begleitet." „Der Charakter des Kurfürstenist ein Meisterstück; nur wenigen ist eS gelungen, so überzeugendMajestät hinzustellen, in der sich Ernst, Kraft und Milde vereinigt,in jedem Moment groß, und immer menschlich, ohne je in die lee-ren Reden und Bilder zu verfallen, mit denen schwächere Dichter sooft die Charaktere ihrer Fürsten ausmalen wollen" (Tieck). Wie ansdem innersten Leben gegriffen ist die Stelle, wo man ihm eine Re-bellion seines Heers meldet: „Seltsam! — Wenn ich der Dey vonTunis wäre, schlüg' ich bei so zweideut'gem Vorfall Lärm: die seidneSchnur legt' ich auf meinen Tisch, und vor das Thor, verrammtmit Pallisaden führt' ich Kanonen und Haubitzen auf. Doch weil'sHans Kottwitz aus der Priegnitz ist, der sich mir naht, willkürlich,eigenmächtig, so will ich mich auf märk'sche Weise fassen: von dendrei Locken, die man silberglänzig auf seinem Schädel sieht, fass' ichdie eine und führ' ihn still mit seinen zwölf Schwadronen nach Arn-stein in sein Hauptquartier zurück." — Das ist etwas anderes alsdie hohle Großsprecherei und alberne Treuherzigkeit, die uns sonstfür Patriotismus verkauft wird! — Dem Fürsten entsprechen dierüstigen Kriegshclden, jeder mit sicherm, breitem Pinsel ausgemalt;dieser brave und ruhige Soldatengeist, „alles erklärt, rühmt und lobtauf angemessene Weise bas theure Vaterland, dessen Sohn zu seinder verkannte Dichter für seine» Ruhni und für sein Glück hielt."