Einleitung.
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Das tiefste Mitgefühl ergreift uns, wenn wir das letzte Liedlesen; hier strömt die Qual eines vollen Herzens uns entgegen, dasin dem allgemeinen Untergang auch das Götterlind der Poesie er-blassen sieht; noch einmal
— rauscht der Sänger in dle Saiten,
Der Töne ganze Macht leckt er hervor,
Er singt die Lust, für'S Vaterland zu streiten —
Und machtlos schlägt sein Ruf an jede» Ohr!
Und wie er flatternd dar Panier der ZeltenSich näher Pflanzen sieht, von Thor zu Thor,
Schließt er sei» Lied; er wünscht mit ihm zu enden,
Und legt die Leier thränend aus den Händen,
Die Stimmung war nicht nur tief gefühlt, sie entsprach auchder Wahrheit; zwar dichtete er fort, aber im Ganzen ohne Hoffnung.1810 gab er ein Bändchen „Erzählungen" heraus; es enthält au-ßer dem Kohlhaas und der Marquise von O. „das Erdbeben inChili," jenen älteren völlig ebenbürtig, ja in Bezug auf die Kunst-form vollendeter. Die kleine Novelle schildert wieder den Cvnflictder gesetzlosen Liebe mit den Sitten und Vorurtheilen der Welt;ein wildes glühende« Gemälde der tropischen Natur, in den ruhigenScenen von einem unnennbar zarten Schmelz der Poesie. Der tra-gische Eindruck liegt darin, daß der Dämon des menschlichen Fana-tismus viel entsetzlicher ist als der Dämon, welcher die Erde erschüt-tert, weil er ihn überdauert. Und man erlebt ihn innerlich mit,voll Entsetzen, aber nicht ohne Nerständniß. Die Farben sind voneiner wunderbaren Kraft, das Leidenschaftliche tritt mit dem Ahnungs-vollen gleich kräftig hervor. Es ist doch eine ganz andere Tragikin diesem Bild als in Tieck's „Liebeszauber" oder „Pokal," jenenwüsten Ausflüssen einer Fieberphantasie, die in demselben Jahr ge-dichtet und dem „PhantasuS" einverlcibt wurden.
Auf's neue versuchte er es in Gemeinschaft mit Adam Mül-ler mit einem Journal: er gründete die „Berliner Abendblätter."