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1 (1859) Einleitung; Die Familie Schroffenstein; Penthesilea; Amphitryon
Entstehung
Seite
XCVI
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Einleitung.

Kleist verschmähte auch das Unschöne nicht, sobald es nur seineWirkung that. Manchmal zwar wollte er nach der leidigen BerlinerArt auch imponircn, was seine Gediegenheit am wenigsten nöthighatte, zerhackte auch wohl seinen Dialog, weil er sich von dem raschenRcdcwechsel Wirkung versprach. Am wenigsten sagten mir die nacht-wandlerischen und mit dem Magnetismus geschwängerten Jngre-dienticn in einigen seiner mir sonst lieben Dramen zu, und auchans dem herrlichen Kohlhaas, in dem sich des Dichters Charaktertreu abbildet, wünsche ich Einiges verwandter Art hinweg. Hart-näckig und starr, wie Kleist von Grund ans war, gab er mir übri-gens niemals Recht in meinem Tadel; und ich gestehe es, ich vermagnoch diesen Tag nicht wohl einzusehn, daß wir durch den Genußder Früchte eines reichen Geistes das Recht erwerben, diesem zumDank seine Wohlthatcn zu verleiden, indem wir ihm die Mißgriffe,die er allenfalls begangen hat, beharrlich vorwerfen. Wie dem dennsei, ich ließ gewöhnlich nach einigem Gebalge ab, beruhigte michund hielt zu ihm, glaube auch noch diesen Tag, daß wenn die Wit-terung des Glückes diesem ungeduldigen Geiste nicht auSgeblicbcnwäre, wir in Heinrich v. Kleist einen dramatischen Dichter besäßen,wie er dem deutschen Charakter gerade noth thäte, kein Sänger desPolsters und der genialischen Ruhe, aber kühn und mit Leidenschaftin die Tiefen des Weltwcscns dringend. Kleist hatte Feldzüge undernste, nicht blos dilettantische Universitätsstndien gemacht, das habeich aus seinen Collegicnheften gesehn. Sein Wesen bedurfte des stär-kenden Hintergrundes eines gehobnen Vaterlandes, und in Erman-gelung desselben, schwächlichen Velleitätcn gegenüber, warf er sichmanchmal in Träume, die am Ende doch nicht leerer sind als dergeheimnißvolle Thurm im Wilhelm Meister.

Wie die Zeit weiter ging, beschlossen wir nach Wien zu reisenund bedachten nicht daß der Sieger von Regcnsburg schneller alswir sein werde. In Znaym trafen wir den preußischen Obristen