I-XXXVIII
Emkcltung.
gencn noch zn des Dichters Vortheil, auch wird durch diese Erken-nung das herzliche Gefühl des vermeintlichen Vaters ziemlich verdun-kelt; die märchenhafte Häßlichkeit der Kunigunde ist übertrieben, undes wird der Phantasie um so unmöglicher, sich diese vorznstcllcn, jemehr der Dichter das widerwärtige und unnatürliche Bild uns nahezu bringen sucht. Dies ist wieder die Lust, über Natur und Wahr-heit hinaus zu gehn. Bei Gelegenheit der Visionen, des Nerven-fiebers und des BleigießcnS wird man wieder an die kleinliche Ka-tastrophe der Schroffensteine erinnert, obgleich hier diese Bedingnisseschon weit außerhalb dem Schauspiele liegen, und auch geschickter undpoetischer benutzt sind; sie stören aber dennoch, weil sie der Würdeund Poesie des Gegenstandes widersprechen, indem der Dichter diesenAberglauben roh, und ohne ihn seinem Werke inniger zn verschmel-zen, hat auftreten lassen. Es dürfte eine gewagte Unternehmungsein, diesen wunderbaren duftigen Strauß neu zn ordnen und znbinden, ohne etwas von dem zarten Blumenstand zu verwischen, oderden frischen Morgenthau zn verschütten."
Diesmal Übersicht Ticck, bei dein mächtigen Eindruck des Gan-zen, die Fehler zn sehr. Nirgend macht uns die Mischung des Zar-testen und des Widerwärtigsten so betreten als gerade hier. Ver-alte Balladenstoff widerstrebt doch der dramatischen Darstellung; manhat das Gefühl der Zudringlichkeit, das Schlafen im Stall und diePeitsche erwecken doch einmal in unserm Jahrhundert widerwärtigeNebengedanken. Dazu hat der Dichter das Problem nnnöthig ver-dreht: Gras Walter belohnt doch endlich die Treue des BancrmLdchcns,für den Grafen Strahl ist es keine Kunst, die Prinzessin Katharinavon Schwaben zu heirathen und dafür das geschminkte und gepol-sterte Scheusal im Stich zn lassen; es wäre ein größeres Verdienst,wenn Kunigunde ein Teufel in Engelgcstalt wäre. Diese ganze Ver-puppung Kunigundes, deren Bosheit übrigens wieder glänzend dnrch-geführt ist, scheint nur um des trefflichen Worts willen erfunden zn