Einleitung.
I.XXXVH
Thurneck: das ist nicht ein Fehler der Charakteristik, sondern Unge-schick im Ancinanderschweißen der einzelnen Scenen. Die Neben-signren sind, wie imnicr, mnsterhast, selbst der Knecht Gottschalk wareine Lieblingsrollc von Ludwig Devrient. — Tieck hat diesesStück immer mit besonderer Vorliebe betrachtet. „Die alle Romanzevon der wunderbaren Treue und Ergebenheit eines liebenden Weibe«hat der Dichter auf seine Weise verwandelt und ein Gemälde gebil-det, so ganz vom reinsten Hauch der Liebe beseelt und erfrischt, sorührend und bezaubernd, dem Wunder des Mährchcns und doch zu-gleich der höchsten Wahrheit so verschwistert, daß cs gewiß als Volks-schauspicl immer unter uns leben wird. Der Charakter dieses Käth-chens von Heilbronn und ihres Geliebten, der sein Gefühl für siekaum sich gestehen will, ist so zart und kräftig, so rührend und er-schütternd, daß sich wohl nur wenige Gemüthcr diesen Eindrückenverschließen können. Jeder neue Gegenstand muß dem dramatischenDichter eine neue Form liefern, und Kleist ist deshalb nicht zu ta-deln, wenn er dieses Gedicht, welches er ganz als Volkssage behan-delt, nur locker verknüpft, und wenn also die Theile nicht ängstlichgenau zusammengefllgt sind. Diese leichtere Art, welche Episodenzuläßt, Charaktere etwas mehr ansmalt, als es genau genommen,der Gegenstand erfordern würde, Begebenheiten anreiht, die den An-schein des Zufälligen haben, verstattet einen Durchblick in die große,freie Natur, welche die Lieblichkeit des Inhalts selbst noch heimischerund zauberreicher durch die Contraste macht. Aber cS scheint fast,daß der Dichter sich dennoch mehr von seinen Lieblings-Charakteren,als von dem gereiften Plan des Gedichtes habe durchdringen lassen,denn die Art wie die Entwickelung geschieht und den Schluß vor-bereitet, ist etwas zu gewaltsam und steht ganz isolirt; der Kaiser,der auf diese Art das Stück beendigt, und in cinein Monologe, ab-gerissen und unbedeutend, seinem Herzen Lust machen und uns denwahren Zusammenhang erklären muß, erscheint weder zu seinem ei-