Einleitung.
L.XXHI
scheu mir und einem Dichter vom allerersten Range nicht hätte vonIhnen mit etwas lebhafterem Beifall ausgenommen werden sollen.Sie sollten eigentlich die Ironie in unsrer Firma: Journal fürdie Kunst, empfinden . . . Den Vergleich mit den Horen könnenwir uns aus vielen Gründen nicht gefallen lassen: . . . von einemwahren Gegensatz zwischen Poesie und Philosophie, also von einerechten Allianz zwischen beiden, war im Bezirk dieses Journals nichtszu spüren; ferner waren die Horen zu einer sonntäglichen Retraitcbestimmt, wo man das wirkliche Leben und alles politische Kreuzder Zeitumstände eine Weile vergessen sollte. In eine so schlaffeAnsicht des Lebens habe ich nie eingehcn wollen . . . Meine Kunst-ansichtcn müssen und sollen allen Dichtern meiner Zeit, Goetheund Kleist ausgenommen, allzu realistisch erscheinen; wäre es an-ders, so hätte ich unrecht." „Sie mißrathen uns die Paradoxien,z. B. die anscheinende der Penthesilea. Wir dagegen wollen, essoll eine Zeit kommen, wo der Schmerz und die gewaltigsten tra-gischen Empfindungen, wie es sich gebührt, den Menschen gerüstetfinden, und das zermalmendste Schicksal von schönen Herzen begreif-lich und nicht als Paradoxie empfunden wird. Diesen Sieg desmenschlichen Gcmüths über kolossalen, hcrzzerschneidcnden Jammerhat Kleist in der Penthesilea als ein echter Vorfechter für die Nach-welt im Voraus erfochten." „Ist das Blut, welches empört undvergossen wird, zugleich der Balsam für die mitempörten Zeugen,so lassen Sie die Welt immerhin etwas schaudern, und so Gott esihr vergiebt, auch etwas ekeln; cS werden schon glücklichere Zeitenkommen, welche ganz unbefangen das Große und Natürliche undMenschliche begehren werden. Gerade Sie müßten ganz andereDinge in Kleist sehen als die, worüber Sie Sich mit so vielemUnwillen anslassen. Sie müßten an diesem Dichter preisen, daßer, der an der Oberfläche der Seelen spielen und schmeicheln könnte,der alle Sinne mit den wunderbarsten Effecten durch Sprache,