I.XX
Einleitung.
irruug. „In den komischen Scenen steht der Deutsche unendlichhinter dein Franzosen zurück, dessen Naivetät, Witz und leicht be-wegliche Laune bei weitem durch nichts Achnliches ersetzt werden,die Zier der Sprache und den Schmuck des Reims noch ungerech-net. Daß Kleist die ernsthaften Figuren des Stücks anders hat stel-len, und ihnen eine tiefe, so zu sagen, mystische Bedeutsamkeit hatgeben wollen, ist eben ein noch größeres Mißverständniß. Denndiese Fabel, aufgeschmückt durch den tollen Spaß des Sofias undMerkur, ihre lustigen Händel über das wahre Ich und den echtenAmphitryon, wird nur möglich, und die Hauptfiguren haben nurSinn, wenn diese, wie bei Plantns nnd Meliere, etwas oberfläch-lich gehalten werden; die Liebe Jupiters kann uns nicht interessiren,sondern nur die tolle mährchenhaftc Begebenheit des Stücks; je mehrdiese heroortritt, je besser, um so eher ertragen wir den Schluß,der immer mir willkürlich und unbefriedigend bei den Neueren aus-falleu kann." Es lag in Kleist's Natur, daß er bei einem Stoff,wo Geistiges und Sinnliches sich so nahe berühren, beim Schwanknicht stehen bleiben konnte. Daß ein liebendes Weib den Gemahl inder Umarmung nicht erkennen sollte, verwirrte sein Gefühl, und umdasselbe ins Klare zu setzen, stellt er über die Identität des Gött-lichen und Menschlichen, über die Allpersönlichkeit Jupiters, der in-sofern wirklich mit Amphitryon identisch sei, Betrachtungen an, diemehr an die Schclling'sche Naturphilosophie als an die christlicheLegende erinnern. Die letzte Erscheinung Jupiters bei Kleist ist glän-zend, stimmt aber nicht recht zu den vorhergehenden Schwänken,und was jene Mystik betrifft, so ist es zweckmäßig, zur Abkühlungauf den nüchternen Schluß bei Molivre hinzuweisen. Wenn Mer-kur, der den Sofias geprügelt, erklärt: Iss ooups äs bilton ck'unäiou laut llonuour k. gui los vnckuro, so zuckt Sofias über dieseWunderliche „Courtoisie" die Achseln; und als Jupiter „die Pille ver-goldet": mou uom ötouüo ioi los bruits gut pouvaiont öolatvr;