Druckschrift 
1 (1859) Einleitung; Die Familie Schroffenstein; Penthesilea; Amphitryon
Entstehung
Seite
LXVI
Einzelbild herunterladen
 

I.XV!

Einleitung.

Inzwischen war Nühle in Dresden, wo er als Major nndKammerherr des Herzogs Bernhard von Weimar lebte, für seinenFreund thätig gewesen. Auch Dresden suchte sich damals seinen Platzin der Literatur zu erobern; es war eine Zeit lang der Zufluchtsortder guten Gesellschaft, die sich ans neutralem Boden zwischen den bei-den deutschen Großmächten znsammenfand. Gentz, damals einer derersten unter den geistigen Führern der Coalition gegen Frankreich,hatte seine Fürsten, Grafen nnd Barone für die ästhetischen Vorle-sungen des jungen Adam Müller geworben, den er für den er-sten Kopf Deutschlands hielt. Dieser talentvolle Sophist, nur zweiJahre jünger als Kleist (1779 in Berlin geboren), hatte nach ein-ander Theologie, die Rechte nnd Naturwissenschaft studirt, und be-schäftigte sich dann mit Gründung einer Philosophie, welche die Ein-seitigkeit aller frühcrn Systeme anfhcbeu sollte: wenn diese daraufausgingen, einen absolut festen Pnnct aufznfinden, stellte Müller dieWelt als einen Organismus ineinander fluctuircnder Gegensätze dar,ans deren Bewegung er jede irrationelle Erscheinung in Kunst undPolitik zu erklären unternahm — den Hellenismus und die Roman-tik; die Legitimität und Napoleon; Gott nnd den Teufel. Merkwür-dig genug war es, daß er kurz nach den: Erscheinen seiner „Lehrevom Gegensatz" katholisch wurde (1805). In Rühle hatte er einenbegeisterten Anhänger gefunden, nnd als dieser ihm die ManuscripteKlcist's übergab, glaubte er in ihm den großen Dichter zu haben,mit dem er gegen die bisherigen Schulen in die Schranken tretenkönne. Er suchte seine Partei nach allen Seiten hin zu verstärken;der Maler Ferdinand Hartmann aus WUrtemberg, jetzt gleich-falls in Dresden, vertrat die Kunst; Heinrich Schubert aus demSchonburgischeu und Wetzel aus Bautzen, die beide, gleichalterig(geb. 1780) zusammen in Leipzig studirt, führten die Medicin, dieLyrik nnd den Humor in das Schema des Gegensatzes ein. Wetzelhatte 1806 den „Magischen Spiegel, darinnen zu schauen die Zu-