ganz unerträglich fallen würde."— Bülow erzählt von dieser Pe-riode: „Auf dem Heimwege von Paris befiel Kleist in Mainz einetödtliche Krankheit, von welcher ihn Hofrath Wedekind erst nach sechsMonaten wicderherstellte. Er soll in dieser Zeit die Bekanntschaftder Gündcrode gemacht und mit der Tochter eines Predigers beiWiesbaden ein zartes Verhältniß gehabt haben. Genesen, reiste erendlich nach Potsdam weiter, und erschien dort eines Abends unvcr-nmthet vor dem Bette seines Freundes Pfuel. Sowie seine Ankunftin der Hcimath verlautete, eilte seine Schwester zu ihm, die all seinUnglück seiner poetischen Richtung znschricb, und ihn auf's erustlichstedavor zu bewahren suchte, daß er keine Verse weiter mache. Sievermittelte auch mit andern. Freunden, daß er durch Massenbach den:Minister Altcustein empfohlen ward, welcher ihm bei der Finanz-Verwaltung eine Anstellung in Aussicht stellte. Den Wünschen derScinigen nachgebcnd, widmete er seine ganze Zeit in Berlin demStudium der Cameralwissenschaft. Durch Brokes wurde er mitVarnhagcn bekannt, dem er die „Familie Schroffenstein" sorgfäl-tig verhehlte. Den 11. August 1804 schrieb er in dessen Stamm-buch: „Jünglinge lieben in einander das höchste der Menschheit, dennsic lieben in sich die ganze Ausbildung ihrer Naturen schon um zweioder drei glücklicher Anlagen willen, die sich eben entfernen. Wiraber wollen einander gut bleiben." Varnhagen ahnte nicht, daß ermit einem Dichter zu thun habe, so wenig war die Familie Schros-scnstein dnrchgedrungen; er machte auf die jungen Musensöhne, diedamals noch stark in der Romantik staken, den Eindruck einer kal-ten, prosaischen Natur.
Noch im Winter von 1804 zu 1805 finden wir ihn als Diätarin Königsberg, wo er mit Pfuel wieder znsammcntraf. Als er die-sen eine« Tages aufsorderte, ebenfalls eine Tragödie zu dichten, er-zählte ihm Pfuel die Geschichte des Kohlhaas, dessen Namen nochheute eine Brücke bei Potsdam trägt, als einen dazu wohl geeigne-