Einleitung.
erschossen worden sei, und nahm ihn unter seinem Schutz als sei-nen Bedienten mit in die Stadt. Von hier aus bat Kleist den Ge-sandten Lucchcsini um einen Paß, den er nach vier Tagen, unmittel-bar nach Potsdam ausgestellt, erhielt. In Paris hatte nach seinerFlucht sein Freund gefürchtet, Kleist habe sich in die Seine gestürzt,und nach seinem Leichnam in der Morgue gesucht. Leider erfahrenwir, daß er schon in dieser Zeit sich zuweilen durch Opium zu be-täuben suchte.
In Bezug auf die nächstfolgende Zeit find die Nachrichten etwasverwirrt. Wieland, der seit dem Juni 1803 nichts von Kleist ge-hört, erhält den 3. April 1804 „durch die dritte Hand traurige Nach-richten von seinen Umständen." Er antwortet, 10. April: „Wennich null alle diese Umstände, seinen auf Selbstgefühl gegründeten,aber von seinem Schicksal gewaltsam niedergehaltenen Stolz, dieExccntricitLt der ganzen Laufbahn, worin er sich, seitdem er aus dermilitärischen Carriere ausgetreten, hin und her bewegt hat, seine fürch-terliche Ucberspanuung, sein fruchtloses Streben nach einem uner-reichbaren Zanberbild von Vollkommenheit mit seinem bereits zurfixen Idee gewordenen GuiSkard, mit seiner zerrütteten geschwächtenGesundheit und mit den Mißverhältnissen, worin er mit seiner Fa-milie zu stehn scheint sdiese hatte Kleist in einem Zettel, Mai oderJuni 1803, als den Grund angegeben, warum er sein Gedicht nichtvollenden könnes, zusammen combinire, so erschrecke ich vor den Ge-danken, die sich mir ansdrängen, und fühle mich beinahe genöthigtzu glauben, es sei sein guter Genius, der ihm den Einfall, sich inCoblenz zu einem Tischler zu verdingen, eingegeben. Gewiß ist, inmeinen Augen wenigstens, daß das Project, welches Ihnen Ihre socdclmüthig theiluchincude Zuneigung zu diesem liebenswürdigen Un-glücklichen eiugcgcben, ihn in einem Bureau iintcrznbringcn, alleinschon ans der Ursache von nnbcliebigem Erfolg sein würde, weildiese Art von Beschäftigung und Abhängigkeit ihm in kurzer Zeit.