XXXVI
Einleitung.
Lustspiel, für mich zu einer Erzählung werden. Kleist hat denPreis davon getragen." Von Bern begab sich Kleist an die Uferdes Thnner Scc's, wo er sich mit dem Bräutigam seiner FreundinHenriette v. Schlieben, dem Kupferstecher Lohse, in einem kleinenLandgut einmiethcte. Von da ans schrieb er an Zschokke: „WennSie mir einmal mit Geßncr die Freude-Jhres BesnchS schenken wer-den, so geben Sie wohl Acht ans ein Haus an der Straße, an demfolgender Vers steht: Ich komme, ich weiß nicht von wo? Ich bin,ich weiß nicht was? Ich fahre, ich weiß nicht wohin? Mich wun-dert, daß ich so fröhlich bin! — Der Vers gefällt mir ungemein,und ich kann ihn nicht ohne Freude denken, wenn ich spazieren gehe.Und das thne ich oft und weit, denn die Natur hat hier, wie Siewissen, mit Geist gearbeitet, und das ist ein erfreuliches Schauspielfür einen armen Kauz ans Brandenburg, wo, wie Sie auch wissen,die Künstlerin bei der Arbeit eingeschlummert zu sein scheint. Jetztzwar sieht auch hier noch, unter den Schneeflocken, die Natur wieeine achtzigjährige Frau ans; aber man sieht ihr doch an, daß siein ihrer Jugend schön gewesen sein mag .... Die Leute glaubenhier durchgängig, daß ich verliebt sei! bis jetzt bin ich cs aber nochin keine Jungfrau, als etwa höchstens in die, deren Stirn mir denAbendstrahl der Sonne znrückwirft, wenn ich am Ufer des See'sflehe." — Hier verfiel er, wie es scheint, durch die beständigen Auf-regungen seines Gemüths, in eine schwere Krankheit; Ulrike kamwieder zu ihm, verpflegte ihn trculichst und begleitete ihn nach sei-ner Genesung (Herbst 1802) nach Deutschland zurück. Zunächst ginger nach Jena und Weimar.
Es wäre von großem Interesse, genauer den Eindruck zu er-fahren, den er ans Goethe und Schiller machte. Ihr Bund warin voller Blüthe, und gerade damals war das Theater der Mittel-punkt ihrer Thätigkcit. Wallcnstein, Maria Stuart, die Jungfrauwaren rasch auf einander gefolgt; die Braut von Messina und die