Einleitung.
XXI
Tumult mit glühender Angst bearbeitete: dein einziges, dein HLchsteS-Zicl ist gesunken! In dieser Angst fiel nur ein Gedanke ein. LiebeFreundin, laß mich reisen! Arbeiten kann ich nicht, daS ist nicht mög-lich, ich weiß nicht, zu welchem Zweck. Ich müßte, wenn ich zuHause bliebe, die Hände in den Schooß legen und denken. Die Be-wegung aus der Reise wird mir zuträglicher sein, als dieses Brütenauf einem Flecke. Ist es eine Verirrung, so läßt sie sich vergütenund schützt mich vor einer andern, die vielleicht unwiderruflich wäre.Sobald ich einen Gedanken ersonnen habe, der mich tröstet, sobaldich einen Zweck gefaßt habe, nach dem ich wieder streben kann, kehreich um, ich schwöre cs dir." — Sie sucht ihn durch Zärtlichkeit,selbst durch Bcrnnnftgriindc zu beruhigen, aber er weist sie leiden-schaftlich zurück (28. März): „Ich bin durch mich selbst in einenJrrthnm gefallen, ich kann mich auch nur durch mich selbst wiederheben. Diese Verirrung, wenn es eine ist, wird unsrer Liebe nichtden Sturz drohen, sei darüber ganz ruhig. Wenn ich ewig in die-sen: räthsclhaften Zustand bleiben müßte, mit einem innerlich hef-tigen Trieb zur Thätigkeit und doch ohne Ziel, — ja, dann frei-lich wäre ich ewig unglücklich, und selbst deine Liebe könnte michnur zerstreuen, nicht mit Bewußtsein beglücken. Aber ich werde daSWort, welches das Näthscl löst, schon finden, sei davon überzeugt —nur ruhig kann ich jetzt nicht sein, in der Stube darf ich nicht dar-über brüten, ohne vor den Folgen zu erschrecken .... Auchwerde ich mich unter Fremden wohler fühlen als unter Einheimi-schen, die mich für verrückt halten, wenn ich es wage, mein Inner-stes zu zeigen."
Der Gang dieses Briefs ist psychologisch merkwürdig; er be-ginnt anscheinend mit einer ruhigen Dednction, die Dialektik gehtaber schnell in Leidenschaft über und endet in Verzweiflung. Es istnicht bloS eine lange verhehlte Grübelei, der Schmerz deS Denkensentzündet sich plötzlich, gewissermaßen in: Lauf der Operation; dann