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1 (1859) Einleitung; Die Familie Schroffenstein; Penthesilea; Amphitryon
Entstehung
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zur Neaction gegen die Ideen. Wenn bei Schiller und auch beiGoethe mehr als mau glaubt das Individuelle dem Ideellendient, wenn manche Situation nur um der abschließenden Sentenzwegen da ist, so versieht sich Kleist nur in den seltensten Fällen dazu,die Erscheinung ins Gebiet des Gedankens zu erheben. Und das istzur Versöhnung, d. h. zum dauernd wohlthätigen Eindruck ebensonothwendig, als der abschließende Akkord nach einer grellen Disso-nanz. Ans diesem übertriebenen Realismus erklärt sich die Nei-gung, auf die letzten Gründe des Geistigen, von der Psychologie ansdie Physiologie zurückzngehn, und so jenem dunkeln Natnrgebict an-heimznfallen, das keine Kunst zu adeln im Stande ist. Das giltnamentlich von dem geschlechtlichen Berhältniß. Fast in jedem seinerStücke, namentlich in den Novellen, finden sich anstößige Sccncn,zuweilen durch gar keinen inner» Grund gerechtfertigt, oder miteiner beleidigenden Paradoxie vorgctragcn. Zwar wird er nie lü-stern, er stellt nicht das Sinnliche dar, sondern nur das Nackte, aberauch in dieser Vorliebe für das Nackte liegt eine gewisse Empörunggegen die sittlichen Begriffe des Zeitalters, und die Menge erträgteher die Verletzung der Moral als eine Beleidigung der Schaam.Diese Vorliebe für das Nackte zeigt sich auch darin, daß er alleEmpfindungen aus die Spitze treibt; er würde in seiner Aufrichtig-keit einem Volk wie die Franzosen, die doch in ihren Romanen wahr-lich keine Moralisten sind, in jeder Zeile gleich unverständlich undungenießbar sein.

Das Gefühl spricht selten bei ihm unmittelbar, ungehemmt; cshat Mühe, durch die Eisrinde des Verstandes durchznbrechen, unddieser Ausbruch erfolgt deshalb stets mit einer Explosion, die allesMaaß verkennt. Der erste Grund seines Schaffens ist eine Höllen-heiße, qualvolle Empfindung, die aber das Hirn ebenso angrcift alsdas Herz; und so wird scheinbar der Verstand, das Denken der Trä-ger der Leidenschaft. Zuweilen ist es ein Fieber der Dialektik, die