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Einleitung.
Lessings Tod," 4te Auflage 1858 II. S. 256 ff. zu finden ist, in demihm hier ^erstatteten größeren Raum nicht blos gründlicher und zu-sammenhängender, sondern auch anschaulicher ausgcsührt zu haben.
Im Grunde bedarf ein Dichter von Gottes Gnaden keines Aus-legers. Der Zauber unscrs Poeten ist so gewaltig, daß keiner ihmwiderstehen wird, der ihm eignes Leben, ein Herz dein Schönen undEdlen offen, entgegen bringt. Leider ist dieser Eindruck nicht rein;cs mischt sich in des Dichters so fein orgauisirte Natur ein unge-sundes Element, welches zuweilen so peinlich, so beängstigend wirkt,daß man wie ans einem bösen Traum zu erwachen strebt. Sich die-ser Stimmung zu erwehren, ans dem pathologischen Eindruck denecht künstlerischen loSznschälen, ist nicht leicht, und hier hat der Kri-tiker die schöne Aufgabe, dem Leser nachzuhelfen.
Die einzelnen Eigenschaften, die den großen Dichter machen,besaß Kleist in einem ungewöhnlichen Grade. Zunächst eine plasti-sche Kraft, wie wir sie bei keinem andern deutschen Dramatiker an-trcffen, auch bei Schiller und Goethe nicht. Jedes Ercigniß, jedeFigur, die er darstellen wollte, zeigte sich den Angen seines Geistesin sinnlicher Gegenwart, und seine Hand war sicher genug, was ergesehen, nicht blos'in den allgemeinen Umrissen, sondern bis in diekleinsten einzelnen Züge wiederzugeben. Die Farben und Linien, dieer anwendet, sind oft hart und schreiend, aber nie undeutlich, undsie kommen ihm nngesucht, das Bild lebt wirklich in seiner Seele.Die Knust der Farbe geht so weit, daß die jedesmalige Stimmung,der Duft des Ereignisses sich auf das bestimmteste der Phantasie cin-prägen, und das ist um so bewundernswürdiger, da er einen sehrgroßen Reichthnm an Stimmungen entwickelt: es gelingt ihm zu-weilen das Unmögliche glaubhaft zu machen. Diese Kunst hängt mitseiner Wahrheitsliebe zusammen. In einer Zeit, wo fast alle Dich-ter sich ins Musikalische verloren oder die Menge durch wohlklin-gende Phrasen zu bestechen suchten, wagte er den Gedanken und das