Druckschrift 
1 (1857)
Entstehung
Seite
172
Einzelbild herunterladen
 

172

Neuntes Kapitel.

So habe ich'denn zu fragen, ob Sie Zeit hätten, augen-blicklich ein Portrait zu machen."

Vollkommen Zeit und sehr gutes Licht," entgcgneteder Photograph, wobei er einen Blick auf seine Mutterwarf, die in tiefen Gedanken da saß und wahrscheinlich anseine Großmutter dachte, an den Augenblick des Glücks, andas Klopfen und Hereinrufen.

So werden wir sogleich kommen," sagte der Lakai,langte mit zwei Fingern an seinen Hut und verschwandgeräuschlos, aber eilig die Treppen hinab.

Während der junge Mann sich daran machte, ein paarseiner größten Glasplatten zu präpariren, rückte Frau Böhlerihre Haube zurecht und wischte mit der Schürze eilig überden tannenen Tisch, sowie über die Stühle an den Wänden,obgleich dort nirgends ein Stäubchen sichtbar war.Ich weiß,du lachst mich immer aus, wenn ich von Ahnungen spreche,"redete sie dabei.Aber diesmal Hab' ich recht. Es istwas ganz Apartes, vielleicht Jemand vom Hof. O dumein lieber Gott, wenn es dir heute nur recht gelingt!"

Jetzt hörte man Schritte auf der Treppe, dann wurdedie Thüre geöffnet und der Lakai erschien, indem er dieselbe,außen stehen bleibend, soweit wie möglich zurückwarf unddann mit einer tiefen Verbeugung zwei Herren Vorbeigehenließ, die nun in das Zimmer traten.

Der erste, vielleicht ein Mann an den Vierzigen, hatteeine hohe, schlanke und elegante Figur; er trug einen dun-