Pflanzenfaser.
607
i-en gleichwohl mehr der Rinde als dem Holze an, undmachen die dem Holze zunächst liegenden Theile derRinde ans; so befindet sich die Faser beim Flachs, Hanf,der Jlrcnnessel, bei Phorminm tenax, Enpatorinm canna-binum u. a., in dem inneren, dem Splinte der Bäumeentsprechenden Theil der Rinde; bei der Baumwollemacht sie dagegen eine Umhüllung der Saamen aus, wo-durch. ihre Verbreitung durch die Luft befördert wird.
Die Faser von Flachs und Hanf wird von der Rindeund der spröden Pflanzenfaser auf die Art gelrennt, dalsdie reife Pflanze entweder sehr hart getrocknet wird, sodafs alle weichen Theile erhärten und sich zerreiben las-sen, was gewöhnlich zwischen gefurchten Walzen oderdurch Schlagen geschieht, wobei jene von der Faser ab-fallen, oder dnfs man sie auf einen feuchten Rasen oderunter Wasser legt, bis sie eine Art von Fäulnifs erlittenhat, welche den Zusammenhang der Rinde und der sprö-den Faser zerstört, worauf sie getrocknet und auf die er-wähnte Art zermalmt wird. Nach dem Faulen hat sicheine, durch die Zerstörung gebildete Substanz an die Fa-ser befestigt und ihr eine graugelbe Farbe ertheilt, welchesie nicht anders als durch abwechselnde Behandlung mitLauge und den unmittelbaren Einflufs des Sonnenlichts,oder durch Eintauchen in Chlorwasser, oder eine Auflö-sung eines chlorichtsauren Salzes verliert, während dage-gen die ohne Faulen gewonnene Faser schon durch blo-fses Bleichen weifs wird.
Die Baumwollenfaser ist in der Pflanze selbst weife.Sie ist dreikantig, und davon leitet man die scharfe Be-schaffenheit derselben ab, welche bewirkt, dafs man sichz. ß. während des Schnupfens nicht gern eines baumwol-lenen Tuches bedient, dafs man Baumwolle nicht alsCharpie zu chirurgischem Behuf brauchen kann u. s. w.
In chemischer Hinsicht betrachtet, verhalten sich dieseFaser-Substanzen, so viel man darüber weifs, zu Chlor,Säuren und Alkalien, gerade so, wie vom Holze erwähntwurde.
Ihre Anwendung zu Geweben ist älter als die Ge-