208 Wärme durch d. Geschlechtsverrichtung, d. Pfl.
das Gefühl zu entdecken ist. Saussure brachte eineBliithe von einer Arumspecies, welche sich in diesem Er-wärmungszustande befand, in eine Glasglocke, welche das166fache ihres "Volums atmosphärische Luft endiielt; we-nige Augenblicke nach ihrem Einbringen unter die Glocke,beschlug sich das Glas inwendig mit einem Thau von derAusdunstung der warmen Blume, und nach 24 Stundenfand sich in der Luft nicht mehr als 1 Procent Sauer-stoffgas, alles Uebrige war in Kohlensäuregas verwandelt.Als er nachher Theile von in diesem Zustande befind-lichen Blumen hineinbrachte, fand er, dafs diese chemi-sche Thätigkeit hauptsächlich den Gcschlechtstheilen an-gehört, und durch Versuche mit einer Menge andererBlüthen fand er, dafs sie sich wältrend der Befruchtungs-periode einen halben bis einen ganzen Grad wärmer er-halten, als die umgebende Luft ist. Gewöhnlich ist in’dessen die Wärme-Entwickelung dabei so schwach, dafsman nur durch die größere Kohlensäuregas-Bildung wäh-rend dieser Periode darauf schließen kann. Mitunter ge-hört die Erscheinung mehr den männlichen als den weib-lichen Blüthen und ihren Theilen an, bisweilen ist esumgekehrt. Doppelte Blüthen verzehren weniger Sauer-stoffgas und dauern länger, als einfache, und wahrschein-lich ist die schnelle Zerstörung, welche die Blüthen vie-ler Pflanzen bei diesem Prozeß erleiden, eine Folge die-ses großen Verlustes an Kohlenstoff. Ob die Wärme-Entwickelung eine unmittelbare Folge der Kohlensäure-Bildung oder ein Product eines zugleich vor sich gehen-den organischen Prozesses, wie bei den Thieren, ist, kannnicht entschieden werden; aber de Saussure fand, dafsgewisse Blüthen eine höhere Temperatur hatten, als an-dere, welche dessen ungeachtet in gleicher Zeit ein grö-ßeres Quantum Kohlensäuregas bildeten.
Früchte verändern, während ihres grünen Zustan-des, die Luft auf dieselbe Art, wie die Blätter; aber deSaussure fand, dafs die sehr unreifen dabei oft einePortion Sauerstoff aufsaugen und zurückbehalten, und erscheint geneigt zu sein, hiervon die Menge freier Säure
ab-