Druckschrift 
2 (1857)
Entstehung
Seite
152
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Sechzehntes Kapitel.

vielmehr blickte er mürrisch auf die schattenerfüllten Straßen,und wenn sich droben am Kirchthurmdach das erste Sonnen-gold zeigte, so zuckte er mißmuthig mit den Achseln undkonnte sagen:Das heißt nun gelebt! des Morgens zieh'ich mich an, des Abends zieh' ich mich aus. Wenn nureinmal was Anständiges dazwischen fahren wollte! So einetüchtige Revolution oder ein ordentliches Erdbeben!"

Als Herr Krimpf an dem Morgen nach jenem denk,würdigen Souper erwachte, erstaunte er, da er die Sonnebereits in seinem Zimmer sah, dann zuckte er mit den

Händen nach seinem Gesichte, faßte seine Nase und indemer sie bedächtig abwärts zog, haschte er in seinem Kopfenach hin und wider blitzenden Erinnerungen; doch mußteer einen tüchtigen Anlauf nehmen, das heißt er mußte sichin Gedanken auf die Terrasse des Schlosses versetzen, danndie Straßen wandeln, die er gestcm durchgangen, endlichvor der Restauration stehen bleiben; ja, er mußte sich denkleinen Spazierstock mit dem goldenen Knopfe vor sein inneresAuge rufen, ehe es ihm möglich wurde, eine Art von

System in die Erlebnisse des gestrigen Abends zu bringen.Daß er mit einem fremden Herrn soupirt, wurde ihm bald

wieder klar, auch daß er gut gegessen und viel Wein ge-

trunken. Dann aber kam eine schleierhafte, traumartigeZeit; jetzt noch, in der Erinnerung, brannten die Lichtertrübe, und es war ihm, als sei die Stube voller Staubgewesen.