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2 (1857)
Entstehung
Seite
102
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Fünfzehntes Kapitel.

oder andern ihrer Lieblinge, die vielleicht vergessen wordenwaren, noch nachträglich befehlen zu lassen.

Da der Regent ihren klaren und scharfen Verstand an-erkannte, auch ihr Urthcil hochschätzte, so gab er nicht sel-ten große Audienzen an fremde Gesandten und dergleichenin ihren Zimmern und konnte alsdann vielleicht lächelndzuschauen, wie sie durch ihre pikanten Fragen oder ihre ge-wandten Bewegungen in jeder Beziehung den Vortritt nahmund er selbst wie die zweite Person neben ihr erschien.Die Herzogin, welche in früheren Zeiten fast den ganzenTag bei der Prinzessin zubrachte, verließ jetzt ihre Apparte-ments nicht mehr, und daher kam es, daß die der Prin-zessin im gegenwärtigen Augenblicke weniger lebhaft alssonst waren, weil diese jetzt meistens im andern Schloß-flügel bei ihrer Schwester war. Wenn man die Gemächerdurchschritt, welche die Prinzessin bewohnte, so begriff manwohl, daß Jeder gerne darin verweilte. Hier war jedesZimmer, jedes Kabinet auf's Vortrefflichste benutzt unddabei mit einem Kunstsinne, einem Geschmack arrangirt, derdie Einrichtung ebenso fern von Uebcrladung, wie von un-gebührlicher Einfachheit hielt.

Die Herzogin liebte ihre Schwester außerordentlich, und 'der regierende Herr hatte ein verhätscheltes Kind aus ihrgemacht. Wo sich nur ein Kunstwerk, sei es ein Bild, sei,es eine kleine Statue, sei cs eine reiche Broncearbeit,für die Zimmer einer Dame paffend zeigte, da wurde das-