Wiederum im Kabinct des Regenten.
43
auch etwas zu hindern verstehen. Wissen Sie, ich spreche alsFreund zu Ihnen, lieber Steppler, aber ihr macht da obendoch ganz sonderbare Geschichten. Wie kann man zumBeispiel nun eine solche Heirath protegiren, wie die deralten Excllenz mit dem jungen schönen Fräulein?"
„Wie kann man so 'was hindern, frag' ich Sie."
„Man kann viel dagegen thun, mein lieber Steppler.Man läßt hie und da ein Wort fallen, man meldet zuspät oder gar nicht, man bedauert, daß die Herrschaft ver-hindert ist, Jemand anzunehmen — aber dazu gehört mehrals ein gewöhnlicher Muth. Ich sage Ihnen, das ist einMißgriff, der nicht hätte passiren sollen."
Obgleich Herr Steppler ziemlich gebückt saß, so daßer seinen Collegen nicht ansehen konnte, so merkte man doch,wie er, ohne den Kopf zu bewegen, die Augen erhob, undaus den Winkeln derselben nach Herrn Kinderman hinüber-schielte. „Habt ihr etwas dagegen gethan?" fragte eralsdann.
„O, lieber Freund," entgegnete Herr Kindermann mitdem Ausdruck großen Selbstbewußtseins, „wenn eine Sacheeinmal so verfahren ist, da kommt der beste Kutscher nichtmehr heraus, und doch — — aber wie gesagt," unter-brach er sich selbst, „das war nur so eine Idee von mir,und es ist eigentlich unklug, überhaupt noch über dergleichenzu sprechen, denn ich weiß doch, daß Sie mir nicht umdie Ecke trauen, mein lieber Steppler."