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Zwölftes Kapitel.
Glas auf — Ehrlichkeit und Wahrheit, mein lieber Herr— Krimpf.
Der kleine Maler schrak aus, als habe ihn etwas ge-stochen. Er war in der That überrascht. Denn er, dersich eingebildet, so sicher im Schatten seiner Niedrigkeit zustehen, während auf den Andern das volle Licht fiel, er-kannte, das; gerade das Gegentheil der Fall war.
„Haben wir also weiter keine Geheimnisse vor einan-der," sagte Herr von Femow auf's Freundlichste. „Sie sindder Mitarbeiter des Photographen Heinrich Böhler, MalerKrimpf, aber wenn ich Offenheit von Ihnen verlange, somuß ich auch dieselbe für Sie haben. So wenig also, wieSie Herr Maier, heiße ich Müller. Ich bin Major Fer-now, Adjutant des Regenten. Bleiben Sie auf Ihrem Platzeund ohne Complimente. Für heute bin ich Herr Müller,dessen Spazierstock Sie retteten."
„Ganz zufällig rettete, wie er ganz zufällig auf dieFensterbank gerathen war," sagte Herr Krimpf, und einaußergewöhnlicher Zug von Schlauheit flog über seineZüge.
„Und diesem Zufalle verdanke ich das Glück Ihrerangenehmen Gesellschaft. Trinken wir darauf ein Glas."
Dies geschah, und als Herr Krimpf sein Glas nieder-setzte, war es interessant zu sehen, wie ihm das Vergnü-gen seinen Gegner endlich zu kennen, aus dem Gesichtestrahlte. Dahinter aber blickte aus seinen Zügen die Er-