Z64 Hauptartikcl christlicher Lehre,
guter Sitten sind, und derhalben die Regiments zu ehren undzu lieben geneigt, sollen diesen Worten selbst weiter Nachdenken.
1. Timoth. 1: „Das Gesetz ist gut; und ist den Ungerech-ten gegeben." Diese Worte reden nicht von den CerimonienMoses, sondern von dem gemeinen Gesetz, das alle Welt betrifft:lehret Tugend, und strafet Untugend. Darum stehet hernach:„Das Gesetz ist den Gottesvcrachtern, Todtschlägern, Hurern u. s. w.,gegeben, solches zu wehren und zu strafen." Nun ist öffentlich,daß Obrigkeit ein nöthig Stück ist, in das Gesetz gefaßt, wiedas Haupt oder die Arme am menschlichen Leibe. Daraus fol-get, so das Gesetz Gottes Wille und Werk ist, daß auch Obrig-keit und Regierung Gottes Wille und Werk ist.
Diese erzählten Zeugnisse sind gewiß und klar; und wiewohlwir hier mehr Sprüche erzählen möchten, so wollen wir doch die-selben hernach in andern Stücken melden. Auch wird ein jederVernünftiger leicht merken, daß diese Sprüche alle recht zusam-men stimmen.
Doch will ich endlich noch einen Spruch setzen, daraus zuverstehen ist, daß Gott mit ausgedrückten Worten die Obrigkeiteingesetzt hat. Denn 1. Mose 9 hat Gott das Verbot vom Todt-schlag erneuet, und dazu gesetzt: „Wer einen Menschen zu Todeschlägt, der soll wiederum durch einen Menschen getödtet werden!"Hier ordnet Gott selbst, daß ein Mensch dieses Amt habe, denTodtschäger zu tödtcn. Und ist nicht Zweifel, Gott hat mit den-selben Worten die weltliche Obrigkeit eingesetzt, und durch Noahwiederum angefangen; denn diese ernsten Worte sind nicht ver-geblich dem Noah befohlen.
Aus diesem Allen ist klar, daß Obrigkeit und Negierungein gutes Werk ist, das Gott geschaffen hat, und täglich erhal-len will; item, das Er mit seinem Wort eingesetzt hat und oftbestätiget, und sich gefallen laßt.
Nun habe ich vom Amt, und Werken des Amts an ihnenselbst gesagt, und dieselben von den Personen unterschieden. Da-bei muß man aber lernen: Wiewohl nicht alle Personen tüchtigsind, so ist doch dieß zu merken, was Gottes Ordnung ist; dazugibt Gott etliche tüchtige Personen. Darum soll man auch wis-sen, daß etliche Personen selbst besonders von Gott erweckt, be-gäbet und getrieben werden, als: Samson, David, Kyros, Scipiou. A., die man nennet: Heroen (Helden), die Gott gesandt hat,wiederum Gericht und Recht anzurichten, Tyrannei zu strafen,die Reiche zu verändern. Als da die Perser tyrannisch worden,