58 Hauptartikel christlicher Lehre,
Aus diesen Gründen, dieweil Gott die Sünde nicht will,und nicht gewollt hat, und sie erstlich ohne Gottes Willen, vonder Teufel und Adams und Eva freiem Willen Herkommen ist,und hernach zu äußerlichen Werken eine Freiheit bleibet, folget,daß man es nicht dafür halten und sagen soll, daß der Teufelund Menschen Wille erstlich zur Sünde gezwungen sei, oder her-nach zu bösen äußerlichen Thaten gezwungen werde, oder daßDavid habe müssen seinem getreuen heiligen Diener das Weibnehmen u. s. w.
Es folget auch, daß man es nicht dafür halten soll, daßAlles, was geschiehet, müsse also geschehen, wie die Stoiker vonihrem Fatum geredet haben, und Gott und menschlichen Willenangebunden, und gcsaget: Alles, was geschiehet, müsse alsogeschehen; Nero müsse solche grausame Untugend üben u. s. w.Diese grausamen, unflätigen Lügen soll man nicht in die Kirchenvor Gottes und Engel Ohren bringen. Ich bitte auch alle Got-tesfürchtigen, sie wollen sich davor hüten.
Dagegen aber wird angezogen, das von Pharao geschriebenstehet: „Ich will das Herz Pharaonis verhärten und verstocktmachen." Hie lauten die Worte, gleich, als sei die Verstockungein Werk, das Gott selbst im Herzen Pharaonis wirke und wolle.Darauf ist diese wahrhaftige, beständige und richtige Antwort: daßgroßer Unterschied ist zwischen selbst wirken, und Andere wirkenlassen, und nicht verhindern; was Gott selbst wirket und schaffet,das ist gut. Daneben wenn die Teufel oder Menschen widerGott thun, das wirket Gott nickt, ob gleich Gott solches gesche-hen läßt, und verhindert es nicht thätlich, bis zu seiner Zeit.
Nun redet die hebräische Sprache also: „Ich will ihn ver-härten;" d. i., Ich will cs eine Zeit lang geschehen lassen, aufdaß er je härter, stolzer, wüthender und rasender werde. Und istdiese Weise zu reden sehr gemein in der hebräischen Sprache, wiesie auch in dielen Worten gebrauchet ist im täglichen Gebete:„Führe uns nicht in Versuchung;" d. i., laß uns nicht in Ver-suchung fallen und versinken u s. w.
Und ist leicht solcher Exempel einen großen Haufen zusam-men zu bringen, und sonderlich wo von Strafen geredet wird,das auch insonderheit zu merken ist; als, Psalm 89: „Du zer-störest den Bund seines Knechts, und machest unrein deine Kroneu. s. w." Dieses sind Worte, wie davon geredet ist, vom Ver-hängen. Denn die wahrhaftigen Gottesdienste machet Gott nichtselbst unrein, sondern in der Strafe verhänget Ec solches, wie