genannt 1 -ivei tbeologloi. 57
Lästerungen getrost verwerfen, und wissen, daß die Sünde nichtein erschaffen Ding ist durch Gott, sondern ist eine Vcrderbung,Bruch und Unordnung in den vernünftigen, sehr schönen, gutenund edeln erschaffenen Dingen, Geistern und Menschen, welcheUnordnung erstlich durch den freien Willen der Teufel, und her-nach Adams und Eva geschehen ist, welche sich selbst freiwil-lig von Gott abgewandt haben, wie hernach weiter zu sagen.
Und sind diese zwei nicht wider einander, daß das Wesender Geister, und Leib und Sele der Menschen von Gott erschaf-fen ist, und noch erhalten wird, und daß gleichwohl die Unord-nung und der Riß oder Bruch darin nicht von Gott ist, son-dern von der Teufel und ersten Menschen freiem Willen, undnachdem der Riß geschehen ist, erhält Gott die zerrissene Naturdennoch, wie sie jetzund ist.
Weiter von wirklichen Sünden zu reden, nach Adams Fall;wiewohl nun nach Adams Fall die Menschen also verderbt sind,daß Erbsünde uns angeboren ist, und wir aus eigenen Kräftendiesen großen Schaden nicht heilen, oder von uns hinweg legenkönnen, so ist doch diese Wunde in Adam und Eva erstlich vonfreiem Willen, ungezwungen kommen.
So muß man auch bekennen, und ist gewißlich wahr undbezeuget durch göttliche Schrift, daß dem Menschen nach AdamsFall diese Freiheit in vernünftigen äußerlichen Werken bleibet, daßer die äußerlichen Gliedmaßen, als Hände und Füße, Zungenund Augen, aufhalten kann, daß sie Zucht halten, und nicht äu-ßerliche schändliche Werke thun.
Als, wiewohl Kain brennet in Neid, Haß und Zorn, den-noch, von den Kräften in ihm zu reden, hat er seine Händemögen stille halten, daß er seinen Bruder nicht erschlagen hatte.Und wiewohl der Teufel ihn getrieben hat, und die böse Neigungan sich selbst stark gewesen ist, so hat er dennoch diese Kraft undFreiheit noch gehabt, daß er nicht gezwungen gewesen ist, dieäußerlichen Gliedmaßen übel zu gebrauchen, wie ich bald hernachklar berichten will im Artikel vom freien Willen.
Denn dieses ist öffentlich ausgedruckt in göttlicher Schrift,daß eine äußerliche Gerechtigkeit sei, die der Mensch mit eigenenKräften wirket; dazu bleibet ein freier Wille "so ferne, daß er dieäußerlichen Gliedmaßen regen und aufhalten kann, wie Achilles,ob er gleich sehr erzürnet ist, und greifet an das Schwert, undkönnte Agamemnonem erstechen, so halt er doch an sich und zuk-ket nicht. Davon hernach weiter.