50 Hauptartikel christlicher Lehre, '
dem heiligen Geist, aus Nichts, freiwillig, ungezwungen erschaf-fen, und allen lebendigen Dingen das Leben gegeben, wie imAnfang der Bücher Mosis geschrieben ist.
Nun ist göttliche Weisheit in diesem wunderbarlichen Werkenicht zu ergründen; gleichwohl sollen die Menschen dieses oft be-trachten, daß Gott will, daß dieses schöne Werk ein Zeugniß seivon Ihm. Denn darum hat Er Alles erschaffen, daß Er sichhat wollen offenbaren, wie ich jetzund gesagt habe.
So nun die schöne Ordnung in diesem wunderbarlichen Ge-bau, das Gott gemacht hat, ein Zeugniß von Ihm sein soll,und wahrhastiglich ein offenbares Zeugniß ist, so sollen vernünf-tige Leute diese Ordnung ansehen und betrachten, nämlich, daßHimmel, Luft, Wasser und Erde mit besondcrm Rath also or-dentlich nach einander gesetzt sind. Item: daß im Menschen Ver-nunft ist, Zahl und Unterschied, was Tugend ist, und was Un-tugend ist, Freude in gutem Gewissen, so man rechter Vernunftgesolget hat, und dagegen grausames Schrecken, so man widerdie eingepflanzte Vernunft gethan hat, als in Unrechtem Lod-schlage, Blutschanden u. s. w.
Item: daß ein weiser Baumeister Himmel und Erde geord-net habe, flehet man auch daran, daß die Zeit so bequem geord-net ist, Tag und Nacht, Sommer und Winter; daß die Erdezu gewisser Zeit den Samen annimmt und fruchtbar wird, unddaß die Früchte zu gewisser Zeit reif werden. Item: daß alleKräutlein auf Erden besondere Kraft haben, und sind weislichausgetheilet, daß das eine der Leber, das andere der Lunge u. s. w.dienet.
Wiewohl nun junge Leute diese Ordnungen weniger beden-ken, denn die Alten, so soll man sich doch zu solcher Betrachtunggewöhnen, und dieses darin merken, daß uns diese Zeugnisse vor-gestellt sind, uns zu erinnern, daß dieses Gewebe nicht ohneWeisheit, also selbst zusammen geflossen sei, sondern sei durcheinen weisen, allmächtigen Baumeister mit großem Rath gemachtund geordnet, wie hernach weiter zu sagen. Und sind in diesemArtikel von der Erschaffung sechs Erinnerungen zu merken.
Die erste Erinnerung: Die drei göttlichen Personen, derewige Vater, der ewige Sohn, des Vaters Ebenbild, und derheilige Geist haben alle andere Dinge erschaffen. Denn also sprichtder Text, 1. Mose 1: „Wir wollen den Menschen machen zuunserm Ebenbilde." Hier wird von den drei Personen gesagt,nicht von Einer allein.