Die Schuld der Templer.
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wegs argwöhnten“. In den bekannten Statuten und in der vom heiligen Bernard dem Orden gegebenenRegel konnte freilich von der Verläugnung Christi keine Rede sein, da aber fast alle Vernommenen inder Beschreibung ihrer Aufnahme einstimmig melden, dass, nachdem sie eingekleidet waren, sie auf dieSeite in der Capelle oder hinter den Altar geführet worden, wo ihnen von den Aufnehmenden die Verläug-nung Christi und die Anspeiung des Kreuzes zugemuthet ward, da bei der Weigerung des Aufzunehmendender Aufnehmende bei dem so eben geleisteten Schwur in Allem den Statuten des Ordens zu gehorsamen,sich auf die geheimen Puncte desselben berief, so konnten die Richter unmöglich, wie Herr Ilavemannsagt, das Dasein geheimer Statuten keineswegs argwohnen. Dass alle Aufgenommenen welchedie Zumuthung der Verläugnung Christi und die Anspeiung des Kreuzes aussagten, darüber einstimmig,dass sie Christum nur mit dem Munde und nicht im Herzen verläugneten, dass sie das Kreuz nicht seihstanspieen, sondern nur auf die Seite spieen, ist ganz natürlich, weil sie durch das Bekenntniss derwirklichen Verläugnung Christi und der wirklichen Anspeiung des Kreuzes schon im Voraus ihr Todes-urtheil gesprochen hätten. Die Aufnehmenden beschwichtigten das Gewissen der sich weigernden Aufzuneh-menden , indem sie ihnen sagten, sie könnten, wenn sie dies für Sünde hielten, dieselbe ja in der Folgebeichten; sie konnten beichten wo sie wollten, aber nicht wem sie Avollten.
Nec poterant, absque licenda, nisi sacerdotibus ordinis confiteri quod non debebant confiterinisi fratribus vel donatis presbyteris dicti ordinis 2 ). Precipiebatur quod non confiterentur nisi presbyterisordinis sine eorum licenda 3 ). Absque licenda non poterant nisi sacerdotibus ordinis confiteri 4 ). Indessenwar dieses Verbot keinem andern Priester als denen des Ordens zu beichten, nicht immer dem Aufzuneh-menden eingeschärft, non fuit ei inhibitum quod non confiterentur nisi sacerdotibus ordinis 5 ). DieAufnehmenden lachten manchmal über die Gewissenszweifel der Aufzunehmenden: quibus sic factis , dictusOdo incepit subridere quasi dispiciendo ipsum testem, ut sibi visum fuit c ), und sagten ihnen, dass esnur Scherz: et cum ipse testis diceret quod hoc nullo modo faceret , dictus frater Raynaudus dixit eidemridendo: Non cures, quia hoc non est nisi quedam truffa * 7 ) — ein andermal trieben die Aufnehmendendie Heuchelei so Aveit, dass sie über die Einfalt und Verlegenheit der Aufzunehmenden und über die Notli-Avendigkeit dies von ihnen fordern zu müssen, bitter Aveinten: et dictus frater Guido amare flevit quandoprecepit ei quod abnegaret lhesum, dixit ei quod hoc oportebat eum facere, et quod non haberet promalo, quia hoc erat de punctis ordinis etipse idem fecerat; et si volebat, poterat de hoc confiteri etpurgare consciendam suam 8 ) et flevit dictus receptor et dixit, quod hoc multum displicebat sibi, quiaoportebat fieri supra dicta et quod abnegarent ore non corde.
Nach diesem hier nöthigen Vorworte über Dr. Havemann’s Werk gehen Avir zur näheren Inhalts-anzeige der drei Schriften Herrn Mignard’s und von dieser zu den Aussagen des Templerprocesses über,in Avelchem das in dem Mysterium Baphometis revelatum Gesagte vollkommen bestätigt Avird. Von denbeiden Coffrets des Herrn Herzogs von Blacas hat Herr Mignard sich ausschliesslich mit dem in den Ruinendes Tempelhofes vonVoulaine gefundenen beschäftigt und von dem ZAveiten, welches vonVolterra in Toscanastammt, keine Kunde genommen; Avir hingegen Averden hier von dem in drei Schriften des Herrn Mignardzur Genüge erläuterten ersten Coffret grösstentheils Umgang nehmen und dafür um so ausführlicher von demZAveiten sprechen, dessen Beschreibung einen Theil des nicht in den Buchhandel gekommenen Memoire surles deux coffrets de Mr. le Duc de Blacas bildet. Wir Avürden das erste Kästchen hier ganz und gar mitStillsclrweigen übergehen, Avenn es uns nicht darum zu thun wäre durch die Lesung und Übersetzung derInschriften einen schlagenden BeAveis (weil das Kästchen in einem alten Tempelhof aufgefunden Avard) der
*) Proces des Templiers, p. 317. 3 ) Ebenda p. 226. 3 ) Ebenda p. 438. 4 ) Ebenda p. 363.
7 ) Ebenda p. 310. 8 ) Ebenda p. 628.
5 ) Ebenda p. 303. Ebenda p. 331.2 *