DIE SCHILD DER TEMPLER
Von
D R ' FREIIIERRN IIAMMER-PÜRGSTALL,
WIRKLICHEM MITGLIEDE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN.
(MIT VII TAFELN.)
(VORGELEGT IN DEN SITZUNGEN DER PHILOSOPHISCH-HISTORISCHEN CLASSE IM JÄNNER MDCCCLIV.)
Vor seclis und dreissig Jahren habe ich in dem sechsten Bande der Fundgruben des Orients in demMysterium Baphometis revelatum die Geheimlehre der Templer und die Schuld derselben aus denBaphometen des k. k. Antiken-Cabinetes und ihren arabischen Inschriften, aus den Sculpturen alterTemplerhof-Ruinen, aus den Aussagen der Templer, die mit diesen Denkmalen roher Kunst des Mittelaltersvollkommen übereinstimmen, nachgewiesen. Die Behauptung, dass ihre Geheimlehre eine gnostische,musste, nachdem seit einem halben Jahrtausend in der Geschichte alle Urkunden und Denkmale welchedie Wahrheit bezeugen sollten, verschwunden waren, eine grosse Anzahl von Gegnern finden.
Diese können in drei Classen getheilet werden: erstens in die welche sich für die Unschuld derTempler im vorhinein schon desslialb erklärten, weil die Templer von einem Könige und einem Papste alsschuldig verurtheilt worden waren; zweitens alle Freimaurer, weil ihre Symbolik augenscheinlich die derTempler ist, und die also in der Ehre des Tempelordens die ihrer Gesellschaft gefährdet glauben; drittensdie ritterlichen Liebhaber der Geschichte, welche, weil der Orden Beispiele grosser Tapferkeit undmannhafter Standhaftigkeit aufzuweisen hat, den Templern auch alle anderen Tugenden eines Rittersbeilegen zu müssen glaubten, wiewohl dem ritterlichen Sinne des Mittelalters welcher den Frauenhuldigte, nichts entfernter als der Geist des Templerordens. Namhafte Dichter hatten sich in der jüngstenZeit des Gegenstandes als eines poetisch dankbaren bemächtigt und wenn Werner in den Söhnen desThaies ihre Schuld zugab, so stand doch Raynouard in seiner Tragödie: Les templiers, für dieUnschuld derselben ein; es war natürlich, dass er sich als Vertheidiger derselben wider den Angriff in dievordersten Reihen stellte und die Gegenrede wider seine Einrede wurde von den Vertheidigern mit Still-schweigen übergangen, so wie Matter’s Geschichte des Gnosticismus, welche die Fortdauergnostischer Secten bis in das Mittelalter herunter beweiset.
Die Ungläubigkeit der Gegner des Mysterium Baphometis revelatum ist nur in so weit verzeihlich,als dieselben nicht arabisch verstanden und ihnen über die Richtigkeit der Leseart und Übersetzung derarabischen Inschriften kein Urtheil zustand; doch unverzeihlich ist es, dass Orientalisten von Namen und
(Ilainmer-Purgstall.) \