62
mußte befürchten, er würde, dem Laufe der Welt nach, sichmeiner schämen, oder mich sonst nicht kennen wollen, weiler, den Kleidern nach, in einem hohen Stande, ich dagegennur ein lausiger Musketier wäre. Nachdem ich jedoch ab-gelöst worden war, erkundigte ich mich bei seinen Dienernnach seinem Stande und Namen, damit ich versichert seinmöchte, daß ich nicht vielleicht einen Andern für ihn an-sprächc; und dennoch hatte ich das Herz nicht, ihn persön-lich anzuredcn, sondern ich schrieb folgendes Bricflein undließ es ihm am Morgen dnrch seinen Kammerdiener ein-händigen :
„Mein Herr u. s. w.! Wenn meinem hochgeehrten„Herrn beliebte, denjenigen, welchen Er ehedem durch Seine„Tapferkeit in der Schlacht bei Wittstock aus Eisen und„Banden errettet hat, auch anjetzt durch Sein vortreffliches„Ansehen aus dem allerarmseligsten Zustande von der Welt„zu erlösen, wohinein er als ein Spiclball des unbestän-digen Glückes gerathcn ist: so. würde Ihm solches nicht„allein nicht schwer fallen, sondern Er würde Sich auch als„einen ewigen Diener verpflichten Seinen ohnedies ihm ge-„trcu verbundenen, gegenwärtig aber allerelcndcsten und„verlassenen
Simplicius Simplicissimus."
Sobald er dieses gelesen hatte, ließ er mich zu sich hineinkommen und sagte: „Landsmann! wo ist der Kerl, der Euchdies Schreiben gegeben hat?" Ich antwortete: „Herr! erliegt in hiesiger Festung gefangen!" „Wohlan! so gehtzu ihm und sagt, ich wolle ihm davon helfen, und sollte erschon den Strick an den Hals kriegen." Ich entgcgncte:„Herr! solcher Mühe wird es nicht bedürfen; doch bedanke