63
ich mich für die seltene Bereitwilligkeit." Und weil ich sah,daß er so willfährig war, fnhr ich weiter fort und sagte:„Ich bin der arme Simplicius selbst, der jetzt kommt, umEuch sowohl für die Erlösung bei Wittstock zu danken, alsEuch zu bitten, mich wieder von der Muskete zu erledigen,die ich wider meinen Willen zu tragen gezwungen werde."Erließ mich nicht völlig ausrcden, sondern bezeugte mitUmfahen, wie geneigt er sei, mir zu helfen. Kurz, er thatAlles, was ein getreuer Freund gegen den andern thun soll,und che er mich fragte, wie ich in die Festung und in solcheDienstbarkeit gcrathen wäre? schickte er seinen Diener zumJuden, um Pferd und Kleider für mich zu kaufen. Unter-dessen erzählte ich ihm, wie mir's ergangen wäre, seitdemsein Bater vor Magdeburg gestorben, und als er vernahm,daß ich der Jäger von Soest gewesen sei — von dem er somanches rühmliche Soldatenstück gehört hatte — beklagteer, daß er solches nicht eher gewußt, weil er mir damals garwohl zu einer Kompagnie hätte verhelfen können.
Als nun der Jude mit einer ganzen Tagclöhncrlast vonallerhand Soldatcnklcidcr» daher kam, las er mir das Vesteheraus, hieß mich cs anzichcn und nahm mich mit sich zumObersten, zu welchem er sagte: „Herr I ich habe in SeinerGarnison gegenwärtigen Kerl angctroffen, welchem ich sohoch verpflichtet bin, daß ich ihn in so niedrigem Stande,wenn schon seine Eigenschaften keinen besseren verdienten,nicht lassen kann. Ich bitte deswegen den Herrn Obersten,er wolle mir den Gefallen erweisen, und ihn entweder besserversorgen, oder zulasscn, daß ich ihn mit mir nehme, umihm bei der Armee fortzuhclfcn, wozu vielleicht der HerrOberst hier die Gelegenheit nicht hat." Der Oberste vcr-
/