56
er ein geborener Kavalier war. Die Begierde, zu wissen,ob mich meine Augen und Ohren betrögen oder nickt, trie-ben mich dahin, daß ich zu ihm ging und sagte: „MonsieurSchönstem! ist Er's oder ist Er's nicht?" Er antwortete:„Ich bin kein Herr von Schönstein, sondern ein Kauf-mann!" Da sagte ich: „So bin ich auch kein Jäger von
Soest, sondern ein Organist, oder vielmehr ein landläufigerBettler!" „O Bruder!" sagte hingegen Jener, „wasTeufel machst du? wo ziehst du herum?" Ich entgcgnctc:„Bruder! wenn du vom Himmel auscrsehen bist, mir dasLeben erhalten zu helfen, wie nun zum zweiten Male ge-schehen ist, so erfordert ohne Zweifel mein Schicksal, daßich alsdann nicht weit von dir sei." Hierauf nahmen wireinander in die Arme, als zwei getreue Freunde, die sichvordem beiderseits versprochen hatten, einander bis in denTod zu lieben. Ich mußte bei ihm cinkchrcn und ihmAlles erzählen, wie mips ergangen, seitdem ich von Lipp-stadt nach Köln verreist war, um meinen Schatz abzuholen,und ich verschwieg ihm auch nicht, welcher Gestalt ich miteiner Partei ihrem Schiffe hätte aufpassen wollen und wasdarüber zugestoßcn wäre. Aber wie ich zu Paris gehausthatte, davon schwieg ich stockstill: denn ich befürchtete, ermöchte es zu Lippstadt ausbringen und mir deswegen beimeinem Weibe einen bösen Rauch machen. Hingegen ver-traute er mir, daß er von der hessischen Generalität zumHerzog Bernhard, dem Fürsten von Weimar, geschickt wor-den wäre, um wegen allerhand Sachen von großer Wich-tigkeit, das Kriegswesen betreffend, Bericht zu erstatten undkünftiger Kompagnien und Anschläge halber mit ihm zuverhandeln; dies hätte er nunmehr verrichtet und sei also