117
stellte sich nicht anders an, als ob er ganz von Sinnen kom-men wollte, also daß ich alle Augenblicke dachte: ,,Jetzt
jagt er dir eine Kugel durch den Kopf!" Der Pfarreraber wehrte mit Händen und Füßen, daß nichts Tödtlichcsgeschehe, was ihn hernach reuen möchte. „Was?" sagtederselbe; „Herr Oberstlicutcnant! braucht Eure hohe Ver-nunft und bedenkt das Sprüchwort, welches sagt, daß manzu geschehenen Dingen das Beste reden soll. Dies schönejunge Paar, das seines Gleichen schwerlich im Lande hat,ist nicht das erste und auch nicht das letzte, das sich von denunüberwindlichen Kräften der Liebe hat bemcistern lassen.Dieser Fehler, den sic Beide begangen haben, wenn csanders ein Fehler zu nennen ist, kann auch durch sie leicht-lich wieder verbessert werden. Zwar lobe ich es nicht, sichauf diese Art zu verehelichen; aber gleichwohl hat diesesjunge Paar weder Galgen noch Rad verdient. Auch hatder Herr Obcrstlieutenant keine Schande davon zu gemär-ten, wenn er nur diesen geschehene» Fehler — der ohne-dies noch Niemandem bewußt ist — heimlich halten undverzeihen, seine Einwilligung zur Verehelichung Beider ge-ben und diese Ehe durch den gewöhnlichen Kirchgang öf-fentlich bestätigen lassen wird." „Was?" antwortete er,„sollte ich ihnen, anstatt billiger Strafe, erst noch Compli-menic machen und große Ehre anthun? Ick, wollte sie eherdes morgenden Tages Beide zusammen binden und in derLippe ertränken lassen ! Ihr müßt sie mir in diesem Augen-blicke trauen, wie ich Euch denn deswegen habe holen lassen,oder ich will sie alle Beide wie die Hühner erwürgen!"
Ich dachte: „Was willst du thu»! Es heißt: FrißVogel oder stirb! Zudem ist cs eine solche Jungfer, deren
8 *