Druckschrift 
Der abenteuerliche Simplicius Simplicissimus : das ist: Ausführliche unerdichtete u. sehr merkwürdige Lebensbeschreibung ... Melchior Sternfals von Fuchsheim ... ; in 6 Büchern
Entstehung
Seite
65
Einzelbild herunterladen
 

Pulver noch nicht erfunden gewesen, so hätte ich die Pfeifewohl im Sacke müssen stecken lassen.

Es war meine Gewohnheit, daß ich, wenn ich so herum-schweifte, alle Wege und Stege, alle Gräben, Moräste,Gebüsche, Bühel und Wasser beritt, dieselben mir bekanntmachte und in das Gedächtniß faßte, damit, wenn cs etwaan dem einen oder anderen Orte künftig eine Gelegenheitsetzte, mit dem Feinde zu scharmützcln, ich mir die Beschaf-fenheit des Ortes sowohl angriffs- als vcrtheidigungSweisczu Nutzen machen könnte. Zu solchem Ende ritt ich einst-mals unweit der Stadt bei einem alten Gemäuer vorüber,darauf vor Zeiten ein HauS gestanden hatte. Beim erstenAnblicke dachte ich bei mir:Dies wäre ein gelegener

Ort, um darin aufzupasscn oder sich dahin zu flüchten, son-derlich für uns Dragoner, wenn wir von Reitern über-nimmt und gejagt werden sollten. Ich ritt in den Hof,dessen Gemäuer ziemlich verfallen war, um zu sehen, obman sich auch auf den Nothfall zu Pferde dahin retten, undwie man sich etwa zu Fuße daraus wehren könnte. Alsich nun zu diesem Zwecke Alles genau besichtigen und beidem Keller, dessen Gemäuer noch rund herum aufrechtstaub, vorüber reiten wollte, konnte ich mein Pferd, welchesdoch sonst im Geringsten nichts scheute, weder mit Liebe»och mit Leid dahin bringen, wohin ich wollte. Ich sporntecs, daß es mich dauerte; aber cs half nichts und ich konntecs nicht im Mindesten fortbringen. Ich stieg ab und führtees an der Hand die verfallene Kellcrstiege hinunter, wovores doch scheute, damit ich mich ein anderes Mal darnachrichten könnte. Aber es hüpfte zurück, so sehr es nur im-mer konnte. Jndcß brachte ich es endlich mit guten Worten