453
Bei der hexametrischen Übersetzung hatte er sich einebeispiellose Treue vorgesetzt, und dieß redliche Streben,da sonst Entäußerung von seinen Eigenheiten eben nichtseine Sache war, ist nicht unbelohnt geblieben; unterallem, was er poetisch nachgebildet, ist nichts so frei vonManier, und sein langer Umgang mit dem Sänger hatihm manches von seiner traulichen und naiven Weise zueigen gemacht. Hätte Bürger Fertigkeit und Ausdauergenug gehabt, das Ganze zu beendigen und aufzustellen,so würde man seine Ilias neben die ältere Odyssee vonVoß gesetzt haben, und ihm wären durch die Uebungdie Kräfte gewachsen, noch fernerhin mit seinem altenFreunde zu wetteifern; da er jetzt an der VoßischenZlias und umgearbeiteten Odyssee Nebenbuhler von zugroßer Überlegenheit bekam, wodurch seine Bruchstücke,die ohnehin als solche nur eine bedenkliche Existenzhaben, ganz in den Schatten zurückgedrängt wurden.
Aelter als seine homerischen Hexameter sind die ineinem frei übersetzten Stücke des vierten Buchs derAeneide, welche für die damalige Zeit ( 1777 ), wo esmit der Bearbeitung der alten Sylbenmaaße fast rück-gängig werden wollte, allerdings zu loben sind. Die ge-lehrte Ausbildung des Originals sowohl in der Dictionals im Versbaus, besonders in den Uebergängen derSätze aus einem Hexameter in den andern, darf mannicht erwarten; auch fehlt es nicht an Ueberladungenund Manieren, doch zieht ein gewisser Schwung undleichte Fälle den Leser fort. Wie Bürger aus der Epi-sode der Dido durch eigne Zusätze ein für sich bestehen-des episches Gedicht hätte machen wollen, sehe ich nicht