Druckschrift 
4 (1844) Vermischte Schriften : Bd. 3
Entstehung
Seite
451
Einzelbild herunterladen
 

Besonders ist dieElegie, als Mol.) sich losreißen wollte",ein wahrer Nothruf der Leidenschaft, wobei das Mitge-fühl jeden Tadel erstickt. Dagegen ist das Hohe Lieddurch die Ausführung ein kaltes Prachtstück geworden,wiewohl die innige Wahrheit der Gefühle als Grund-lage durchblickt. Man muß es der Zeit anheim stellen,ob sie diesen blendenden Farbenputz und Firniß mit ihrermagischen Nachdunkelung genugsam überziehn wird, umes die Nachwelt für etwas andres halten zu lassen.

Bürger hat das Verdienst, das bei uns gänzlich ver-gessene und nach lächerlichen Vorurtheilen verachtete So-nett zuerst wieder zu einigen Ehren gebracht zu haben.Indessen zeigt sowohl seine Behandlung desselben, alswas er in der Vorrede darüber sagt, daß er die Gattungnicht aus der Betrachtung ihres wahren Wesens begrif-fen hatte. Alles läuft bei ihm auf die Merkmale derKleinheit, Niedlichkeit und Glätte hinaus, durch welcheFederungen die antithetische Symmetrie und unveränder-liche Architektonik des Sonetts durchaus nicht erklärbarwird. Er nennt eseine bequeme Form, allerlei poeti-schen Stoff von kleinerm Umfange, womit man sonstnichts anzufangen weiß, auf eine sehr gefällige Art anden Mann zu bringen; einen schicklichen Rahm umkleine Gemälde jeder Art; eine artige Einfassung zuallerlei Bescherungen für Freunde und Freundinnen;"und ich befürchte, daß diese lose, diminutive und alsodem obigen zufolge sonettähnliche Vorstellung vom Sonettimmer noch nicht ganz außer Umlauf gesetzt ist. DasBeispiel der großen Jtaliänischen und Spanischen Mei-ster belehrt uns, daß für das Sonett nichts zu groß.