438
Dann, o Himmel, außer sichWürde ganz mein Herz zerlodern!
Leib und Leben könnt' ich dichNicht vergebens lassen fodern! —
Gegengunst erhöhet Gunst,
Liebe nähret Gegenliebe,
Und entflammt zur Feuersbrunst,
Was ein Aschensünkchen bliebe.
so begreift man nicht, was dies harmlose artige Lied-chen so schweres verschulden konnte, das ihm folgendeUmmodelung seiner drei ersten Strophen zuzog:
Wenn, o Mädchen, wenn dein BlutReger dir am Herzen wühlte;
Wenn dies Herz von meiner GlutNur die leise Wärme fühlte;
Wenn dein schöner HerzensdankMeiner Liebe Gruß empfinge;
Und dir willig ohne ZwangKuß um Kuß vom Munde ginge:
O dann würde meine BrustIhr Flammen nicht mehr fassen;
Alles könnt' ich dann mit Lust,
Leib und Leben könnt' ich lassen.
Aehnliche Beispiele sind die vierte Strophe des Win-terliebes *), die erste und zweite des Schwanenliedes,
*) S. 1. Bd. S. 54 und S. 538.