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und wird vielmehr durch das Unheimliche der Ahndungund zweifelhaften Erwartung erregt, als durch die Deut-lichkeit einer schreckenden Gegenwart; und mit dieserkann der Dichter erst dann die großen Streiche führen,wenn er sich schon durch jene allmälig der Gemütherbemächtigt hat*). Ohne diese Vorsicht kann ein ganzesFüllhorn von Schreckfantomen ausgeschüttet werden, undes bleibt ohne die mindeste Wirkung. In der Lenoreist nichts zu viel: die. vorgesührten Geistererscheinungensind leicht und luftig, und fallen nicht in's Gräßlicheund körperlich angreifende. Dabei ist von dem Raben-haare an, das sie zerrauft, jeder Zug bedeutend; derschöne Leichtsinn, womit sie der Gestalt des Geliebtenfolgt; die Schnelligkeit des nächtlichen Rittes; der wildelustige Ton in den Reden des Reiters: alles spricht mit
*) Bürger erzählte mir, als er die eben vollendete Lenoreseinem Freunde, Friedrich Leopold Grafen zu Stolbcrg zumerstenmal vorgelesen, habe er gewünscht, die Wirkung recht zuerproben, und deswegen eine kleine Ueberraschung vorbereitet.Er hielt nämlich, wie von ungefähr, eine Reitgerte in der Hand,und als er an die Stelle kam:
Rasch auf ein eisern GitterthorGing's mit verhängtem Zügel,
Mit schlanker Gert' ein Schlag davorZersprengte Schloß und Riegel;schlug er damit an eine gegenüber stehende Thür. Stolberg, da-mals ein Jüngling von entzündbarer Einbildungskraft, durch dievorhergehende Schilderung schon ganz ergriffen, sprang hiebetmit Entsetzen auf, als ob die geschilderte Sache wirklich unterseinen Augen vorginge. A. z. n. A. A. W. v. S.
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