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dem Graf Walther die Liebe oder vielmehr die Unter-würfigkeit seiner Geliebten auf die erniedrigendsten Probengestellt hat, kann er ihr nichts zum Ersatz anbieten, alsworauf sie ohnehin Anspruch hatte. Sie war indessenvon geringem Stande, und nach dem, damals nicht ganzungegründeten, Glauben des Mittelalters, war Biederkeitund Adel der Gesinnungen an den Adel der Geburt ge-knüpft *). Das Empörende findet also im Geiste derZeiten allerdings seine Entschuldigung, und das Zeitalterhätte uns deswegen auch in allem Acußern gegenwärtigerhalten werden müssen. Sprache und Versbau sind zufleißig ausgcputzt: jene, ungeachtet einiger beibehaltenenArchaismen, glänzt gleichsam von Neuheit, und dieser ist
*) Hicmit soll jedoch die damalige Verfassung der Gesell-schaft keincSweges gerechtfertigt werden: willkührlich mißhandelteund verachtete Leibeigene mußten wohl körperlich, geistig undsittlich ausartcn. Jene Denkart des Mittelalters ist aber in demSprachgebrauchs aller Romanischen Sprachen niedergelegt. VII-Ia.no, vllaln, ursprünglich ein Dorfbewohner, wurde für einenMenschen von rohen Sitten und niedriger Gesinnung gebraucht.Als nachher die Verhältnisse sich milderten, kamen andre Namenfür den Bauernstand auf, um ihn durch die vorwaltende Neben-bedeutung nicht zu beleidigen: contaülno, paz-san. Merkwür-dig ist die Ableitung der Wörter: cattivo, ebötik. Sie bedeu-teten eigentlich einen Kriegsgcfangnen, vom Lateinischen captl-vus, dann einen Sclavcn, endlich einen schlechten Menschen undüberhaupt alles schlechte und verwerstiche. Nur im Spanischenund Portugiesischen hat sich die zweite Bedeutung erhalten. DieNormannen haben diese Wörter, wo möglich mit verstärktemSinn, auch nach England hinübergebracht: villsin, csltitr.
Am», z. n. A. A. W. v. S.