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aber niemals sicher: denn zwischen das Innerste desGemüths und seine Erscheinung in einem Kunstwerketreten Organe und Medien zwischen ein, welche dieMittheilung leicht unvollständig machen oder entstellen.Es giebt Menschen, die nicht ohne widerliche Verzer-
gebliebcn war. Jetzt, nachdem die beiden Gegner seit so vie-len Jahren aus dem Leben geschieden sind, steht der Freimü-thigkcit kein Bedenken im Wege. Schillers Reccnsion warmeines Erachtens eine nach den Gesetzen der literarischen Moralnicht wohl zu rechtfertigende Handlung. Wie kam gerade Schil-ler dazu, über einige in Bürgers Gedichten stehen gebliebenegesunde Derbheiten wie ein Rhadamantus zu Gericht zu sitzen?Der Verfasser der Räuber, in dessen früheren Gedichten undDramen so manche Züge jedes zarte Gefühl verletzen, mußtewissen, wie leicht genialischer Uebcrmuth zu wilden Ausschwei-fungen fortreißt. Oder war es gerade das Bcwußtscyn dieserneuerdings mit ihm selbst vorgegangcnen Verwandlung, wasihn so unerbittlich strenge machte? Und hatte er denn wirklichdie alte Haut so vollständig abgestreift, als er damals glaubte?Ucbcrdics hat Schiller durch diese Benrthcilnng nur eine schwacheProbe seiner Kennerschaft gegeben. Er hätte Bürgern nichttadeln sollen, weil er ihn nicht gehörig zu loben verstand..Wie er das Wesen der Gattung, worin Bürger wenigstens zu-weilen ein vollendeter Meister war, begriffen hatte, das zeigendie Balladen, die er später, wetteifernd mit Goethe, aber ge-gen den Willen der Minerva dichtete. Es hat hiebei eine Ne-mesis gewaltet, und Bürgern ist, zwar erst nach seinem Tode,die vollständigste Gcnugthuung zu Theil geworden, indem nnndie Vergleichung zwischen der Lenore, dem wilden Jäger, derTochter des Pfarrers zu Taubenhain, den Weibern von Weins-bcrg, und dem Fridolin, dem Taucher, dem Ritter von Rho-dus u. s. w. angestellt werden kann.
Anm. z. n. A.
A. W. v. S.