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Bürger an Adolph Mül ln er *).
Göttingen, den Isten Nov. 1793.
Mein lieber Adolph!
So gebietet mir noch das Herz, dich anzureden,ohne Herr, ohne Sie, wie du es doch Kraft deinerMatrikel wohl von mir verlangen könntest. So langedu nicht mein Herz umstimmst, wird es dir schwer fal-len, mir diesen väterlichen Ton abzugewöhnen, wenndu auch gleich bis zum Staatsminister hinauf rückensolltest. Vernähme ich aber, daß du ein eingefleischterunheilbarer Thor, oder gar ein Bösewicht gewor-den wärest, der die Hoffnungen Lügen strafte, die ichdeinen guten Eltern mehr als einmal mit Zuversichtdeinetwegen eingeflößt habe, ja dann könntest du eswohl zum Herrn und zum Sie bei mir bringen, wennich es nämlich nicht ganz vermeiden könnte, irgend ein-mal ein schriftliches oder mündliches Wort mit dir zuwechseln. Deine Eltern haben wir wohl gesagt, daß duZunder zu manchen Ausschweifungen in dir trügest. —„Wenn auch", habe ich geantwortet, „so tragt er da-gegen auch einen Keim von Verstand und gesunder
*) Bürgers Neffen, den zwanzig Jahre später so bekanntgewordenen Dichter der „Schuld". S. Erinnerung an Gott-fried August Bürger tm Morgenblatt 1817. S. 12VS.