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4 (1844) Vermischte Schriften : Bd. 3
Entstehung
Seite
222
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lichen Talente schätze, mein lieber Herr. . mag Ihnendies ein Beweis seyn, daß ich fast in Einem AthemzugeIhren Brief lese und wieder beantworte; ob ich gleichsonst wohl manchen alten Freund Monate lang verge-bens warten lasse.

Eh' ich ein Wort weiter schreibe, muß ich ein wenigmit Ihnen über Ihre allzu große Bescheidenheit zanken. Bescheidenheit? Nein! Bescheidenheit ist immer eineliebenswürdige Tugend. Es ist etwas anderes, dem ichaber keinen recht passenden Namen geben kann. Ichwill mir also durch Umschreibungen helfen. Sie redenzu sehr mit mir die Sprache des Unterthänigen, mit demHut unter dem Arme, mit sinkenden Blicken und mittief gebückter Stellung, Sie, der Sie doch so viele Vor-züge des Geistes besitzen, daß es Sie gar nicht übelkleiden würde, wenn Sie mit mehr Anstand, als Einer,der sich jener Vorzüge etwas bewußt ist, sprächen. Undvollends gegen mich, der ich ein so entsetzlich unbedeu-tender Mensch bin! Wahrhaftig, ich schäme michtief in mein Herz hinein, und mein Gesicht brennt mirwie Feuer, wenn Sie mit mir reden, wie Sie kaummit einem Klopstock, Ramler, Lessing oder Wieland redensollten. Nein, liebster Freund, gegen mich und meinesGleichen müssen Sie sich nicht so sehr erniedrigenwegwersen hätt' ich beinahe geschrieben. Sie versündigensich dadurch an Ihren schönen Talenten, wovon mirnicht allein Ihre muntern Briese, sondern auch unserebeiden Miller ein freies und unverwerfliches Zeugniß ab-legen. Schmeicheleien sind mir widernatürlich, meinliebster Herrr. . ., Herr Miller kann's mir bezeugen;