207
von einer komischen Romanze „Europa" gesagt haben,von der ich ihm Fragmente zeigte und die ich nächstensIhnen gedruckt zuzusenden hoffe. Ehe ich mehr vonihm sage, will ich mit aller Offenherzigkeit, die ich beiIhnen brauchen kann, von seinem Charakter und seinerLage Ihnen Rechenschaft geben. Er hat in Halle Theo-logie studirt, unter Meuseln einmal disputirt und, mehrdurch Genie als durch Fleiß, so viel gelernt, daß ersicher sein Glück gemacht haben würde, wenn nicht seinfreies lustiges Leben die Herren Theologen verhinderthätte, ihm gute Zeugnisse zu geben. Eben das, wasaus einen edeln Zweck gelenkt, den Mann von Genieso weit über gemeine Menschen erhebt, führt auch ander andern Seite weiter als diese, wenn er nicht frühgenug mit Männern edler Denkungsart umgehen undseinen Charakter in einer feinen, edlen Erziehung ver-bessern kann. Das war das Unglück meines Freundes.Ohne alle Erziehung, ohne Geschmack wurde er aufdas Pädagogium zu Halle geschickt. Er lernte etwasund vertauschte die Schule mit der Universität. Hierfuhr er fort wechselsweise zu schwärmen und zu studirenund würde, durch das Beispiel des Lehrers, den er sichwählte, aufgemuntert, vielleicht nie einen andern Weggegangen seyn als diesen, worauf in unfern Tagen soviele gute Köpfe verunglückt sind, wenn er nicht hierhergekommen wäre. Er sah selbst ein, daß es mit derTheologie nicht gehen würde, und beredete seinen Groß-vater, von dem er abhängt, ihn nach Göttingen zuschicken, um die Rechte zu studiren. Das that er auchmit einem Eifer, der ihn in einigen Jahren geschickt